Alf Mentzer, Hans Sarkowicz

Literatur in Nazi-Deutschland

Ein biografisches Lexikon
Cover: Literatur in Nazi-Deutschland
Europa Verlag, Hamburg, Wien 2001
ISBN 9783203820255
Gebunden, 381 Seiten, 19,68 EUR

Klappentext

Die Diskussion um Bertelsmann im »Dritten Reich« ist erst der Anfang einer längst anhängigen Untersuchung deutscher Verlagshäuser und ihrer Autoren, die während der NS-Herrschaft publiziert haben. Hans Sarkowicz und Alf Mentzer haben intensive Recherchen über die Schriftsteller vorgenommen, die die Literatur der 30er und 40er Jahre in Deutschland bestimmten, teils geehrt, teils verfemt und die nach dem Zweiten Weltkrieg anerkannt, vergessen oder »verdrängt« wurden. Mit Kurzbiographien und Bibliographien, Portraits und Abbildungen der Buchumschläge werden mehr als 150 Autoren aus der Nazizeit vorgestellt. Ergänzt wird das Lexikon durch einen Essay über das System der Literaturüberwachung und die Verlagspolitik unter Hitler.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.02.2001

Michael Bauer bespricht anerkennend zwei Publikationen zu deutschen Schriftstellern der Nazizeit.
1. Friedrich Denk: "Die Zensur der Nachgeborenen. Zur regimekritischen Literatur im Dritten Reich".
Dieses bereits 1995 erschienene Buch lobt der Rezensent in einer knappen Betrachtung als "überzeugende" Darlegung der These, dass nicht alle Autoren, die im nationalsozialistischen Deutschland veröffentlichten, Nazis waren. Der Autor nehme Heimatdichter, christliche Schriftsteller und Autoren der "inneren Emigration" in Schutz, ohne ausgewiesene Regimebefürworter "posthum zu entnazifizieren oder zu verharmlosen", lobt der Rezensent. Seine Überlegungen zu einer Schriftstellerin wie Gertrud Fussenegger nähmen sich aus wie ein "pralles Nachschlagwerk" auch über andere Literaten. Außerdem werden hier erstmals, wie der Rezensent besonders lobend hervorhebt, die literarischen Beiträge des "Völkischen Beobachters" "detailliert ausgewertet".
2. Hans Sarkowicz/Alf Mentzer: "Literatur in Nazi-Deutschland".
Dieses Lexikon, das während der Nazizeit in Deutschland gebliebene Autoren aufführt, erhält die volle Zustimmung des Rezensenten. "Spannender" als die Kurzbiografien von "deutschtümelnden Opportunisten" erscheinen ihm dabei die Beiträge zu Autoren wie Huchel, Andersch und Weyrauch, und er lobt diese Artikel als besonders "behutsam" und "gewissenhaft". Er preist das Nachschlagewerk als auch 50 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus noch "lesenswert" und findet nur einen, wiewohl "gravierenden" Mangel: die vom Verlag bestimmte Beschränkung der Autorenzahl und der Länge der einzelnen Artikel auf ein "Minimum".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2001

Recht positiv bespricht Iring Fetscher diesen Band, den er als "außerordentlich informativ" bezeichnet. Zwar werden hier - wie der Leser erfährt - eine recht begrenzte Anzahl von Autoren porträtiert, doch diese dafür nach Fetscher "zuverlässig und differenziert". Besonders gut scheint dem Rezensenten zu gefallen, dass verschiedene Kategorien von Autoren erkennbar sind, so etwa die überzeugten Nationalsozialisten, Mitläufer und solche, die in eine `innere Emigration` gegangen sind. Letztere findet Fetscher besonders interessant, und er weist darauf hin, dass die Herausgeber des Bandes diese Gruppe auch "besonders kritisch unter die Lupe" genommen haben. So werde deutlich, unter welchem Druck diese Autoren gestanden haben (etwa durch Einschüchterungsmaßnahmen wie zeitweise Inhaftierungen), aber auch wie wenig sie teilweise ihre Möglichkeiten zu öffentlicher Kritik genutzt haben. Zum Schluss geht Fetscher kurz auf die verschlüsselten Mitteilungen in einigen zur Nazizeit veröffentlichten Romanen ein. Hier widerspricht er den Herausgebern, die in diesen verschlüsselten Botschaften eher die Funktion eines Trostspendens sehen als den Wunsch, "den Willen zum Widerstand zu motivieren". Dies entspricht nur begrenzt seiner eigenen Erinnerung als "Zeitzeuge", wie Fetscher einwendet.

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