Aus dem Französischen von Barbara Sommer und Geneviève Unger-Forray. Herausgegeben von Thomas Gayda. Mit zahlreichen Abbildungen. 27. August 1943: André François-Poncet sitzt mit seiner Familie unweit von Grenoble zu Tisch, als SS-Leute mit Maschinengewehr im Anschlag das Haus stürmen und ihn ohne Angabe von Gründen verhaften. Dieses Datum markiert den Beginn der wohl dunkelsten Zeit im Leben des erfolgsverwöhnten Botschafters, Schriftstellers und Humanisten André François-Poncet. Eineinhalb lange Jahre verbringt der 'hellsichtigste Beurteiler Nazi-Deutschlands' als sogenannter Ehrengefangener - so der zynische Begriff der Nazis - im mondänen Ifen Hotel im Kleinwalsertal. Dort teilen zwei Dutzend weitere Persönlichkeiten aus aller Herren Länder sein aberwitziges Schicksal: abgeschottet in einem entlegenen Hochgebirgstal und in ständiger unerträglicher Ungewissheit, ob sie den nächsten Tag noch erleben werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2015
Auf die Textinterpretation von "Mein Kampf" im Tagebuch des Diplomaten und Literaturkenners André François-Poncet hätte Matthias Hennig auch verzichten können. Ansonsten findet er die Aufzeichnungen des Botschafters in Berlin (1931-1938) und Rom (1938-1940) aus der Geiselhaft der Nazis auf Schloss Itter in Tirol und im Hotel "Ifen" im Kleinwalsertal durchaus unterhaltsam und interessant. Die Machtpolitik der Nazis und ihr Umgang mit prominenten Häftlingen wie dem Autor wird Hennig ersichtlich aus dem stilistisch "maßvoll" verfassten Text. Die politischen Analysen François-Poncets, so illusionslos sie sind, bergen laut Hennig jede Menge Dramatik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.09.2015
Für Ulrich Wickert ist das von Thomas Gayda herausgegebene Tagebuch des früheren Botschafters Frankreichs André François-Poncet eine Überraschung. Wie der Autor das tägliche Leben in der Geiselhaft der Nazis auf einem Schloss im Kleinwalsertal schildert, hat für ihn Romanqualitäten. An Balzac fühlt er sich erinnert, an die großen französischen Gesellschaftsromane des 19. Jahrhunderts und die "lebhafte Sprache" von Rabelais. Über die politischen Diskussionen mit den illustren Mitgefangenen (die ehemaligen französischen Premierminister Édouard Daladier und Paul Reynaud, der spätere Friedensnobelpreisträger Léon Jouhaux, der ehemalige italienische Ministerpräsident Francesco Nitti), Spaziergänge und Lektüreerlebnisse des Autors liest Wickert mit Freude.
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