Helena Barop

Der große Rausch

Warum Drogen kriminalisiert werden. Eine globale Geschichte vom 19. Jahrhundert bis heute
Cover: Der große Rausch
Siedler Verlag, München 2023
ISBN 9783827501721
Gebunden, 304 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Wer Anfang des 19. Jahrhunderts in der westlichen Welt Drogen kaufen wollte, ging in die Apotheke. Wer Anfang des 21. Jahrhunderts in der westlichen Welt Drogen kaufen wollte, musste zu seinem Dealer. Wie es dazu kam, dass Medikamente zu Rauschmitteln, Rauschmittel zu Rauschgift und aus Rauschgift illegale Drogen wurden, erklärt uns Helena Barop in dieser Geschichte der Drogenpolitik. Die Historikerin zeigt, wie vor allem die amerikanische Drogenpolitik ihren Weg nach Deutschland und in den Rest der Welt fand und Drogen vielerorts zu einem gesellschaftlichen Problem erklärte. Und sie schildert, wie die Angst vor Drogen sich zuverlässig in politisches Kapital umwandeln ließ und lässt. Dabei räumt sie mit Vorurteilen und Halbwahrheiten auf und verdeutlicht an zahlreichen Beispielen: Die Geschichte der Drogenpolitik ist eine Geschichte der schillernden Ambivalenzen - und es ist an der Zeit, sie neu zu sortieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2024

Rezensent Oliver Pfohlmann liest Helena Barops Geschichte des Drogenkonsums und der Drogenprohibition mit Interesse, warnt aber davor, harte Drogen zu verharmlosen. Für die Autorin ist die prohibitive Politik nämlich Schuld an allem: an Drogenpanscherei, Schwarzmarkt und Kriminalität und damit an der Gefährdung des Konsumenten, von der Instrumentalisierung der Drogenpolitik und ihrem Rassismus ganz zu schweigen. Für Pfohlmann schießt Barop mit solchen Ansichten übers Ziel hinaus. Ihre Darstellung der Entwicklung vom rauschhaften  Medikament zur Droge aber findet er lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2023

In Amerika sterben zwar neuerdings weit über hunderttausend Menschen pro Jahr an Drogen, aber in einem ist sich Rezensent Benedikt Sarreiter sicher: Das Problem sind nicht die Drogen, sondern der "War on Drugs". In der Buchmessenbeilage der FAZ bespricht er zwei Bücher, die ihm diese Gewissheit bestätigen, Norman Ohlers "Der stärkste Stoff" und Helena Barops "Der große Rausch". Barop zeigt dem Rezensenten unter anderem, unter welch rassistischen Vorzeichen der "Krieg gegen die Drogen" geführt wurde. Solange Kokain hauptsächlich von Schwarzen konsumiert wurde, hieß es, die Droge mache extrem gewalttätig. "Horrorgeschichten sollten die Bevölkerung in Panik versetzen, die Konsumenten wurden moralisch abgewertet." Ähnlich bei Morphinen: Wurden sie in Opiumhöhlen der chinesischen Minderheit eingenommen, galten sie als gefährlich, aber in medizinisch daherkommenden Dareichungsformen für die weiße Mittelschicht blieben die Substanzen lange erlaubt, so Sarreiter. Anschaulich beschreibt  Barop für Sarreiter schließlich, welch großes Leid die von Amerika inspirierte harte Drogenpolitik dann auch in Europa und anderen Teilen über die Welt brachte. Sarreiter erhofft sich von aktuellen Legalisierungsbestrebungen Entspannung.
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