Aus dem Französischen von Isolde Schmitt. Sie hat ihnen die Tür geöffnet, und sie haben sie getötet, weil sie Jüdin war. Sie hieß Mireille Knoll und wurde im Alter von 85 Jahren in ihrem Appartement in Paris durch elf Messerstiche ermordet. Als bekannt wird, dass es sich um einen antisemitischen Akt handelt, finden im ganzen Land Kundgebungen statt. Allan und Daniel Knoll zeichnen das einfühlsame Porträt ihrer Mutter, einer lebensbejahenden Kosmopolitin, die den Holocaust überlebt hat und deren Tür stets offen für verschiedene Menschen, Religionen und Weltanschauungen stand. Sie erzählen ihre außergewöhnliche Familiengeschichte von Paris und Wien über Deutschland und Portugal bis nach Brasilien. Vor allem aber setzen sie ein Zeichen gegen den Hass.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2024
Im Buch der Söhne von Mireille Knoll geht es nicht in erster Linie um den Tod ihrer Mutter, sondern um ihr Leben, weiß Rezensent Thomas Ribi zu berichten. Der antisemitisch motivierte Mord an der fünfundachtzigjährigen Frau im März 2018 hatte ganz Frankreich erschüttert, erinnert der Rezensent. Den Täter kannte Mireille Knoll bereits seit er Kind war, er stammte aus der Nachbarschaft. Sie öffnete ihm und seinem Komplizen die Tür und wurde daraufhin mit elf Messerstichen getötet. Ihre Söhne erzählen hier aber ihre Lebensgeschichte, von der sie selbst einiges erst nach dem Tod der Mutter erfuhren, denn Mireille Knoll lebte lieber in der Gegenwart und sprach wenig über die Vergangenheit, so Ribi. Im Buch ist nun zum Beispiel zu lesen, dass sie 1942 knapp der Deportation durch die Nazis entging und auch, wie sie den Vater kennenlernte, der Auschwitz überlebte und sich ebenfalls über das schlimme Erlebte ausschwieg, erfahren wir.
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