Eine Tochter reist mit ihrer Mutter an den Ort, wo sie 1943 in einem Lebensbornheim geboren wurde. Endlich will sie die "ganze Wahrheit" über ihre Herkunft und die Verstrickung ihrer Mutter in die Nazipolitik herausfinden. Hinter einem verwirrenden Netz von Lügen, Verdrängung und Verleugnung kommt schließlich - beharrlich durch Nachfragen und Erinnern herbeigezwungen - die Wahrheit zutage. Gleichzeitig zeigen die Erinnerungen Gisela Heidenreichs an den spät gesuchten und gefundenen Vater, dass man jemanden schätzen und lieben kann, den man gleichzeitig zutiefst ablehnt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.11.2002
Lange Zeit wusste die inzwischen 50-jährige Therapeutin Gisela Heidenreich nicht, welche Geschichte sich hinter ihrer Herkunft und ihrem Geburtsort "Oslo" verbarg, berichtet Ingrid Müller-Münch. Die Autorin war eines der 12.000 Kinder, die während der deutschen Besatzung in Norwegen in den Jahren 1940 bis 1945 in einem der zehn "Lebensborn"-Heime als Kind eines Deutschen und einer Norwegerin zur Welt gebracht wurde und über viele Jahre keine Ahnung über die wahren Umstände ihrer Geburt und Herkunft hatte, so die Rezensentin. Die Biografie von Heidenreich, meint Müller-Münch, mache "schmerzhaft" deutlich, wie belastet der Lebensweg dieser "Lebensborn"-Kinder oder "Tyskerbarn" verlaufen sei, wieviel "Albträume und Unsicherheiten" sie überstanden haben. Das Buch von Heidenreich sei dafür ein bedrückender Beleg, wie auch die Studie "Vater: Deutscher" des norwegischen Historikers Kare Olsen, die die Rezensentin als ergänzende Lektüre zu diesem Band empfiehlt.
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