Aus dem Norwegischen von Ebba Drolshagen. Die norwegischen Mütter der Kinder wurden als "Tyskertos" (Deutschenflittchen) beschimpft, für ihre Kinder wurden von der SS "zur Erhaltung wertvollen germanischen Erbguts" Heime des Vereins Lebensborn gebaut. Nach dem Krieg wurden Tausende dieser Frauen als Objekte des Hasses in Lagern interniert, die Kinder zwangsweise in Pflegefamilien oder in Heimen für Schwererziehbare, Geistesgestörte und Behinderte untergebracht. Doch mit ihrer Rolle als Ausgestoßene wollen sich die einstigen Lebensborn-Zöglinge heute nicht mehr abfinden und fordern Wiedergutmachung für ihr zerstörtes Leben. Kare Olsen hat die Akten vieler Lebensbornkinder ausgewertet und Licht in ein vergessenes Kapitel deutscher Kriegsgeschichte gebracht. Er schildert das Schicksal von Menschen, für die der Krieg bis heute nicht vorüber ist, weil sie einen Deutschen liebten oder einen deutschen Vater haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.11.2002
Der norwegische Historiker Kare Olsen "weiß, wovon er schreibt", meint Ingrid Müller-Münch, denn über viele Jahre war er im Reichsarchiv Oslo für Recherchen von sogenannten "Tyskerbarn", der "Deutschenkinder", zuständig, berichtet die Rezensentin. Die waren während der deutschen Besatzungszeit zwischen 1940 und 1945 aus Beziehungen zwischen Deutschen und Norwegerinnen hervorgegangen und meist in einem der zehn "Lebensborn"-Heime, die die Deutschen für diese besonders "arischen" Kinder und ihre Mütter errichtet hatten, geboren worden. Leicht hatten es die Mütter dieser Kinder nicht, so Müller-Münch, denn die Norweger nahmen diesen Frauen ihre Liaisons mit den Deutschen äußerst übel. Die "umfassend recherchierte" Studie Olsens gebe einen Einblick, wieviel Scham und Schmach diese Kinder sich vor allem nach 1945 unterziehen mussten. Interessant sei diese Untersuchung auch, nimmt Müller-Münch an, für die Betroffenen selbst, denn viele von ihnen haben inzwischen den norwegischen Staat wegen erlittener Diskriminierungen und Misshandlungen ihrer Mütter auf Schadensersatz verklagt. Das Buch sei dafür ein eindrücklicher Beleg, wie auch der autobiografische Bericht "Das endlose Jahr" von Gisela Heidenreich, den die Rezensentin in ihrer Besprechung gleichermaßen positiv würdigt.
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