Amanda Lasker-Berlin

Elijas Lied

Roman
Cover: Elijas Lied
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2020
ISBN 9783627002749
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Elija ist die älteste der Schwestern, ihre Augen, von einer großen Lidfalte beschützt, blicken auf das Schöne in der Welt. Sie liebt das Theater, wenn sie die Hagar spielt, die in die Wüste geschickt wird, allein mit einem Kind im Bauch. Auf der Bühne kann Elija Mutter sein, in echt kann sie das nicht. Noa jobbt in einer Kantine. Jeden Tag hofft sie auf Akim, der hoch oben in dem Glasturm mit Elbblick arbeitet. Sie können über vieles sprechen, die Exmatrikulation, ihre Ostasienreisen, nur nicht darüber, wohin sie geht, wenn ihre Schicht in der Kantine vorbei ist. Loth, die Jüngste, ist schön wie eine Statue. Und sie ist wütend. Bei Demos wird sie als Nazi beschimpft, sie selbst hält die Linken für Meinungsfaschisten. Sie ist in die patriotische Hausgemeinschaft in Halle gezogen, um zu kämpfen. Die Wanderung war Loths Idee. Die Idee, noch einmal Schwestern zu sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2020

Man muss bibelfest sein, um Amanda Lasker-Berlins Debütroman "Elijas Lied" zu verstehen. Aber auch in diesem Fall kann Rezensentin Susanne Klingenstein keine klare Leseempfehlung aussprechen. Denn die Geschichte um drei Schwestern, die sich zu einer Bergwanderung aufmachen, um ihre Schwesterngefühle neu zu beleben, leidet nicht nur an den überladenen Schicksalen der Figuren, meint die Kritikerin: Die junge Autorin erzählt von Noa, die als Sexualbegleiterin für behinderte und alte Menschen arbeitet, von Elija, die mit Trisomie 21 geboren, von einem ebenfalls behinderten Mann schwanger von den Eltern zur Abtreibung und Sterilisation gedrängt wird, und von der ess- und zwangsgestörten Loth, die sich in Leipzig während des Studiums Nazis anschließt. Doch bei aller Schwere des Stoffs vermisst die Rezensentin "emotionalen und psychologischen Tiefgang". Sprachlich lassen sich die Figuren kaum auseinanderhalten, stellt Klingenstein fest - überhaupt erscheint ihr Lasker-Berlins Sprache von"stupender, hirnlähmender Einfachheit", wie sie harsch schreibt. Dass Lasker-Berlin das biblische Erlösungsversprechen bei jeder ihrer Figuren ins "Gegenteil pervertiert", gibt der gnadenlosen Kritikerin den Rest.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.05.2020

Mutig und überzeugend findet Anne Kohlick diesen Debütroman von Amanda Lasker-Berlin. Die junge Autorin erzählt darin von drei Schwestern, die sich nach langer Zeit zu einer Wanderung treffen und auf sich und drängende Fragen stoßen. Die erste ist magersüchtig, die zweite rechtsradikal und die dritte hat das Downsyndrom. Wie Lasker-Berlin jeder Schwester einen eigenen Ton gibt, wie sie Fragen aufwirft, ohne Antworten vorzzugreifen, das beeindruckt die Rezensentin.

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