Aus dem Amerikanischen von Joachim Kalka. Clampitt ist keiner Schule zuzuordnen, doch steht ihr Werk auf den Schultern der klassischen Moderne. Ihre Texte sind von dichter, impressionistischer Bildlichkeit, mit enormer Neugier auf genaue und in originellen Wendungen kristallisierte Beobachtung. Die ländliche Natur ihrer Kindheit, ihre Reisen in England und auf dem Kontinent, aber auch das Alltagsleben in New York - das sind ihre Gegenstände. Die fast überschäumende Lebendigkeit, die Energie und die überzeugende Gegenwärtigkeit dieser Gedichte sind in dieser ersten Auswahl nachzuvollziehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.03.2006
Heinz Schlaffer verortet den Rang der amerikanischen Dichterin Amy Clampitt auf der Höhe von Anne Sexton, Robert Lowell, Ted Hughes und Philip Larkin, allerdings sei sie noch weniger im literarischen Bewusstsein der Deutschen verankert als ihre Kollegen. Mit großer Freude hat Heinz Schlaffer daher die vorliegende zweisprachige Auswahl "Eisvogel" aufgenommen, deren deutsche Übersetzung Joachim Kalka sehr sorgfältig vorgenommen habe. Zweisprachigkeit ist dabei für Schlaffer unerlässlich. Denn nur im Original lasse sich der angelsächsische Stil der modernen Lyrik begreifen, die rauen Klänge geballter und sich wiederholender Konsonantengruppen", die er auch in Clampitts "phonetisch-rhythmischem Gedränge" gefunden hat ("a suede of meadow, / a nub, a nap, a mane of lustre / lithe as the slide / of muscle in its / sheath of skin"). Aber um zu verstehen, wovon hier eigentlich die Rede ist, brauche man selbst mit fortgeschrittenen Englischkenntnissen Kalkas Übersetzung: "Ein Wildleder wie eine Wiese, / ein Klump, ein Flor, eine Mähne von Glanz / geschmeidig wie das Gleiten / von Muskeln in ihrer / Hülle aus Haut."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2005
Jürgen Brocan erklärt diesen Gedichtband der Amerikanerin Amy Clampitt zur Pflichtlektüre für alle, "die an moderner Lyrik interessiert sind". Der Band versammelt eine Auswahl von 34 Gedichten aus dem Werk der Dichterin, die 1983 ihr Debüt mit 63 Jahren gab. Aber was für eins! Gar nicht genug kann Brocan die "unerhörte Qualität" der Gedichte rühmen, mit der sich Clampitt auf die "Schultern der Moderne" katapultiert habe. Als ihr poetisches Programm beschreibt Brocan die "Ehrung der Dinge", die aus unserer Wahrnehmung zu verschwinden drohen, da sie ohne erkennbaren Nutzen sind: Der Flug der Turmfalken, die Wanderung der Gänse. All diesen Alltäglichkeiten spüre sie "feinem Sensorium" nach und setze sie zu einem oft "mittels überraschender Metaphern und origineller Wendungen" zu einem alles weitverzweigten Geflecht zusammen, schwärmt Brocan. Bedauerlich findet er allein das etwas schludrige Lektorat, Joachim Kalkas deutsche Übertragung findet er zuverlässig, aber bisweilen etwas weitschweifig.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…