Ana Schnabl

Meisterwerk

Roman
Cover: Meisterwerk
Folio Verlag, Wien - Bozen 2022
ISBN 9783852568515
Gebunden, 208 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof. Ein ungleiches Liebespaar in einem Land vor dem Zerfall: ein Roman um Wahrheit, Lüge und Selbstbehauptung. Adam ist ein Literaturprofessor an der Universität Ljubljana, der sich nach einem ersten literarischen Misserfolg vor zwanzig Jahren erneut an einem Roman versucht. Ana ist eine junge ambitionierte Verlagsredakteurin und zugleich Informantin des nationalen Sicherheitsdienstes. Sie erhält Adams Manuskript Das Meisterwerk zur Begutachtung. Im Laufe der gemeinsamen Arbeit am Text stürzen sich die Protagonisten, beide verheiratet, in eine intensive Liebesbeziehung. Während Adam sich in Dissidentenkreisen bewegt und für die Unabhängigkeit Sloweniens brennt, ist Ana hin- und Hergerissen zwischen ihren persönlichen Lebensentwürfen und dem Pakt mit der dunklen Seite des Systems.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.04.2022

Rezensent und Lyriker Nico Bleutge verfolgt gespannt, wie Ana Schnabl auch in ihrem neuen Roman wieder die menschliche Psyche "seziert". Es geht um die junge Lektorin Ana und den etwas älteren Autor Adam, die zwischen 1985 und 1986 in Slowenien eine geheime Liebesbeziehung führen - beide haben Familien, Ana ist zudem beim slowenischen Geheimdienst tätig und soll Adam eigentlich ausspionieren. Wie Schnabl dabei psychologische Details beschreibe, etwa in einer Unterhaltung, in der Adam merkt, dass Ana ein Geheimnis hat, findet Bleutge spannend und nur manchmal etwas zu psychoanalytisch verklausuliert - Klaus Detlef Olof habe die "durchreflektierte" Sprache aber trotzdem gekonnt übersetzt. Inhaltlich findet er außerdem beeindruckend, wie Schnabl ihre tiefenpsychologischen Betrachtungen mit dem politischen Kontext der revolutionären Stimmung im Slowenien zu der Zeit verbinde. Ein Buch über das schmerzhafte "Wagnis der Offenheit" in Liebe und Revolution, das seinem Titel alle Ehre macht, schließt Bleutge.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.03.2022

Ana Schnabls Erzählungen hatten dem Rezensenten Jörg Plath gut gefallen, von dem nun vorliegenden ersten Roman der slowenischen Autorin ist er nicht ganz überzeugt. "Meisterwerk" erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem Schriftsteller Adam, der ein unfertiges Manuskript mit dem Titel "Meisterwerk" vorlegt, und seiner Lektorin Ana Mitte der achtziger Jahre in Jugoslawien. Wie Plath verrät, hat Ana ihre Stelle vor allem der Loyalität gegenüber dem System zu verdanken, sie soll auch Adam bespitzeln, der vorsichtig in der Opposition arbeitet. Den Stoff findet Plath interessant, aber am Ende bedauert er doch, dass Schnabl ihre Begriffe von Freiheit nur andeutet, nicht alle Figuren genug entwickelt und in ihrer Psychologie etwas oberflächlich bleibt.

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