Andrea Hemminger

Kritik und Geschichte

Foucault - ein Erbe Kants?
Cover: Kritik und Geschichte
Philo Verlag, Berlin und Wien 2004
ISBN 9783825703486
Kartoniert, 264 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Forscht man im Denken Foucaults nach den Spuren Kants, so eröffnet sich ein völlig neuer Zugang zu Foucaults wissenstheoretischem Ansatz, der, um Herbert Schnädelbach zu zitieren, "nicht nur zahlreiche Vorurteile gegenüber diesem Autor als gegenstandslos erweist, sondern auch sein ganzes philosophisches Gewicht spürbar werden läßt." Eine Schlüsselrolle spielt dabei Foucaults unveröffentlichte Einleitung zu Kants Anthropologie, in der Foucault untersucht, welches Verhältnis bei Kant zwischen Anthropologie und Kritik besteht. Auf diese Weise lernt er die "Lektion" der Kritik, auf deren Grundlage er die nachkantische Subjektphilosophie insgesamt als ein Vergessen Kants, als "anthropologischen Schlummer" kritisiert. Um diesem Schlummer zu entkommen, proklamiert und entwickelt Foucault eine Wiederaufnahme des Projekts der Kritik in Form einer kritischen Geschichte der Denksysteme. Andrea Hemminger macht deutlich, daß es Kant war, der Foucault den Weg zur Kritik gewiesen und eine kritische Wende eingeleitet hat, und zeigt, aus welchen Gründen und in welcher Form Foucault die Kritik Kants transformiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2004

Beachtlich findet Armin Adam diese Dissertation von Andrea Hemminger, die sich mit der zentralen Rolle Kants für Foucault beschäftigt. Er hebt insbesondere Hemmingers ausführliche Darstellung und Würdigung von Foucaults "These complementaire" hervor, die der Anthropologie Kants gewidmet ist. Für die Autorin bestehe Foucaults kritische Philosophie "in einer Spiegelung all dessen, was Kant unter dem Begriff des Transzendentalen verhandelt, ins Historische" (Hemminger), hält Adam fest. Mit dem Begriff der Spiegelung hat er allerdings ein kleines Problem. Denn damit bleibt seines Erachtens das "entscheidende Moment" des Kantschen Denkens unberücksichtigt. Foucault in die Philosophie zurückzuführen, heiße Foucault zu beschneiden. "Interessant" findet er Hemmingers Ausführungen zur Kantschen Erbschaft im Werk Foucaults allemal. Wie weit das Vorbild Kant jedoch zur Deutung und Erläuterung Foucaults tauge, resümiert der Rezensent, "bleibt nach der Lektüre fraglich. Doch die akribische Aufarbeitung der Quellen verdient allen Respekt".

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