Henrichs Betrachtung geht von einem Satz des Johannes aus, der nicht nur eine Eigenschaft der christlichen Lebenspartnerschaft hervorheben soll: Dass sie nämlich in ihrem Kern ohne Furcht um sich wird. An dieses Lebensverstehen schließt sich Johannes' Liebes-Theologie an. Henrich aber zeigt, wie sich aus seiner Analyse des Selbstbewusstseins als unhintergehbarem Ausgangspunkt ein rein humanes Verstehen der Liebe gewinnen lässt. Wirkliche Lebensbindungen werden freilich zumeist im Fluktuieren zwischen vielen Verstehensarten geschlossen und erlebt. Die Verfahrensart dieser Begründung wird dann selbst zum Thema der Untersuchung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2022
Rezensent Tilman Allert liest dieses "zarte" Buch als Vermächtnis des kürzlich verstorbenen Philosophen Dieter Henrich. Wie der Autor hier dicht und dennoch gut nachvollziehbar den Sinn des titelgebenden Satzes aus dem Johannesevangelium entfaltet und die menschliche Liebe als Ausdruck von Selbstbewusstsein zeichnet, scheint Allert höchst lesenswert. Nicht minder aufregend findet er, wie Henrich die "Konstitutionsbedingungen" der Liebe erkundet. Ständig bereichernd wirkt bei der Lektüre laut Allert Henrichs "philosophisch ausgereifte" Sicht und eine aus der Befassung mit Kant und Hegel gespeiste "gedankliche Tiefe". Ein "geistiges Vergnügen", befindet Allert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2022
Rezensent Friedrich Wilhelm Graf lernt Dieter Henrich als "johanneisch inspirierten" Kantianer kennen. Wie Henrich in diesem Buch versucht, den titelgebenden Satz des Johannes "rein rational" und lebenspraktisch auszulegen und einer "Ethik der Autonomie der Liebe" zuzuordnen, findet Graf lesenswert, wenngleich durchaus zu Widerspruch anregend. Wenn der Autor hier auch erläutert, wieso er seine Habilschrift nicht publizierte, ist das für Graf ebenso erhellend.
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