Die koloniale Expansion Europas wurde seit ihren Anfängen von kritischen Stimmen begleitet, die als präzise Kolonialismustheorien zutage traten. Durch den Streit der Imperialismusgegner und -befürworter gewannen beide Seiten ein scharfes Profil. Benedikt Stuchtey untersucht die kommunikativen Kontexte der gelehrten Öffentlichkeiten der Kolonialmächte unter Einbeziehung des amerikanischen Imperialismus vom 18. bis ins 20. Jahrhundert. Kolonialismuskritik kann im Zusammenhang transnationaler Verflechtungen von der europäischen Aufklärungsphilosophie bis zur pluralisierten Massenkommunikationsgesellschaft des 20. Jahrhunderts nachvollzogen werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.08.2011
Erhellend scheint Siegfried Weichlein diese Geschichte der Kolonialismuskritik, die Benedikt Stuchtey vorgelegt hat. Die methodisch als Intellectual History angelegte Untersuchung führt für ihn die Kritik am Kolonialismus von der Aufklärung bis ins Zeitalter der beginnenden Entkolonialisierung anhand exemplarischer Autoren überzeugend vor Augen. Dabei werde neben der Kolonialkritik in England auch die in Deutschland und in Frankreich analysiert. Weichlein bescheinigt Stuchtey, die zentralen Argumente der Kritiker herauszuarbeiten und übersichtlich darzustellen. Deutlich wird in seinen Augen dabei auch, dass die schärfste Kritik von Akteuren kam, die selber Kolonialerfahrung hatten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2010
Nur positiv lässt sich Rezensent Andreas Eckert über diese Studie zur Kolonialismuskritik vernehmen, die Benedikt Stuchtey als Habilitationsschrift vorgelegt hat. Dabei habe Stuchtey keine lineare ideengeschichtliche Chronik geschrieben, sondern die exponierten Kritiker des Kolonialismus einzeln porträtiert. Im Zentrum stehen dabei die europäischen Diskurse, besonders die britischen, was Eckert damit erklärt, dass der von den Briten ziemlich brutal geführte Krieg gegen die Buren in Südafrika besonders viele Kritiker auf den Plan rief. Was der Rezensent als Ergebnis bemerkenswert findet, ist, dass das Freiheitsstreben in Europa nicht unbedingt immer mit dem Antikolonialismus einherging, und dass sich einige Kolonialismuskritiker unangenehmer antisemitischer Ressentiments bedienten (das "Finanzkapital"). Bedauerlich findet Eckert allerdings, dass nicht auch außereuropäische Stimmen hier zu Wort kommen, vor allem aus den kolonisierten Ländern selbst.
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