Der Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter agierte während der NS-Herrschaft überaus erfolgreich. Angelika Königseder zeigt, wie er unter der Führung von Herbert Cram die ideologische Neuausrichtung von Staat und Gesellschaft akzeptierte, daran partizipierte und erheblich davon profitierte. Der deutschnational gesinnte Herbert Cram war kein Nationalsozialist, das hinderte ihn aber nicht daran, sich als Verleger mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Der Verlag bemühte sich einerseits darum, die Qualitätsstandards eines wissenschaftlichen Universalverlages aufrecht zu erhalten, suchte aber zugleich die Nähe zu staatlichen Institutionen und dort angesehenen Wissenschaftlern. Die Geschäftspolitik des Verlages Walter de Gruyter unterschied sich damit nicht von der vieler anderer mittelständischer Unternehmen im nationalsozialistischen Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2016
Christoph Jahr lobt Angelika Königseders Studie, die erstmals die Geschichte des Walter de Gruyter Verlags im Nationalsozialismus darstellt. Von der Walter-de-Gruyter-Stiftung für Wissenschaft und Forschung in Auftrag gegeben, macht die Arbeit laut Rezensent deutlich, wie sich der Verlag den Wünschen des Regimes unterwarf, ja diese sogar übererfüllte, indem er etwa Thomas Mann, Else Ury und Erich Kästner aus dem "Kürschner" strich, dem Deutschen Literaturkalender, und sich so wirtschaftlich schadlos hielt. Der Verlag erscheint Jahr als Musterbeispiel eines Unternehmens, das Gewinnstreben über ethische Grundsätze stellte und dem NS-Staat diente. Die Autorin hat all das solide recherchiert und genau belegt, findet Jahr. Etwas mehr erzählerische Raffinesse hätte dem Buch nicht geschadet, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2016
Rezensent Reinhard Wittmann nennt die Autorin Angelika Königseder sehr wertungsfreudig und im Ton mitunter sarkastisch. Er meint das nicht unbedingt als Kompliment. Wenn Königseder sich in ihrer Fallstudie auf das Verlagsarchiv stürzt, um die Verlagsarbeit des Walter de Gruyter Verlags während der Jahre 1933 bis 1939 zu untersuchen, Einblicke in die Programmbereiche zu geben, die Beziehung des Großverlegers Herbert Cram zu Entscheidern und Behörden offenzulegen und zu bewerten sowie den Umgang mit jüdischen Autoren und Mitarbeitern zu kritisieren, unterstellt der Rezensent ihr dann und wann mangelnden Einblick in die Verhältnisse. Kompromisse einzugehen, war unabdingbar, meint er. Die Archivrecherche der Autorin findet er dennoch intensiv und das zutage geförderte Material aufschlussreich.
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