Roland Freisler, der berüchtigte Präsident des nationalsozialistischen Volksgerichtshofes, der zahlreiche Menschen in Schauprozessen zum Tode verurteilt hat und als Urbild des "furchtbaren Juristen" (Ingo Müller nach Rolf Hochhuth) gilt, wurde von der Juristischen Fakultät der Universität Jena im Jahre 1922 zum "Dr. iur. utr." mit der Bestnote "summa cum laude" promoviert. In seiner arbeitsrechtlichen Dissertation zu dem Thema "Grundsätze der Betriebsorganisation" hatte er sich mit den Grundlagen des in der damals noch jungen Weimarer Republik neuen Betriebsräterechtes auseinandergesetzt. Erst- und Zweitgutachter des damaligen Verfahrens sollten in der Rechtswissenschaft der NS-Zeit eine prominente Rolle spielen. Der vorliegende Band dokumentiert unter Einbeziehung umfangreicher Originaldokumente die Beziehungen Freislers zur damaligen Juristischen Fakultät der Universität Jena und ordnet sie in die Zeitumstände ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2020
Roland Freisler war eine so abstoßende Figur, so der rezensierende Rechtsdozent Martin Otto, dass nicht mal Neonazis sich für ihn interessieren, und darum weiß man über den "furchtbaren Juristen" biografisch recht wenig. Um so dankbarer nimmt Otto den vorliegenden Band zweier Professoren der Jenaer Universität auf, die mit der Untersuchung über Freislers Jenaer Dissertation auch Vergangenheitsbewältigung für ihre Uni betreiben. Freisler, so stellt sich heraus, war ein überdurchschnittlich begabter und ambitionierter Jurist, der in seiner arbeitsrechtlichen Doktorarbeit von 1922 weit über das übliche hinaus ging und sogar den Vorschlag machte, die Belegschaft eines Betriebs zur juristischen Person zu erklären - juristisch nicht uninteressant, so Otto, wenn auch folgenlos für die Rechtsgeschichte. Aber dann wurde Freisler zum Nazijuristen und obszönen Schreihals, als der er in der Geschichte überliefert wurde.
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