Die Studie analysiert die politische Denunziation in der DDR multiperspektivisch: Sie unterscheidet deren kommunikative Spezifika im Brief, per Telefon und beim persönlichen Erscheinen auf der Dienststelle - sowie im institutionellen Kontext organisierter Spitzeltätigkeit. Sie entwickelt eine Typologie Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit auf der Grundlage des Denunziationsgehalts der übermittelten Informationen. Ein weiterer Aspekt sind die Verratshandlungen in unterschiedlichen sozialen Kontexten - in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder unter Fremden -, die sich hinsichtlich der dabei wirkenden Loyalitäten erheblich unterscheiden. Die Frage nach den Motiven der Denunzianten ist gesellschaftlich von enormem Interesse, lässt sich anhand der Quellen aber nur sehr selten präzise beantworten. Deshalb konzentriert sich die Autorin auf die Identifikation von Argumentationstopoi der Denunzianten, die diese zur Selbstrechtfertigung nutzten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2023
Rezensentin Anna Kaminsky empfiehlt das Buch von Anita Krätzner-Ebert all denjenigen, die mehr wissen wollen über die Funktionsweisen der Denunziation und die Entstehung einer Spitzelkultur. Laut Kaminsky beleuchtet die Mitarbeiterin im Stasiunterlagenarchiv das Meldewesen in der DDR und die Arbeit der Stasi anhand von aufschlussreichen Beispielen, ihren Hintergründen und Folgen. Auch wenn Rückschlüsse über einzelne Denunziationen nur begrenzt möglich sind, bietet der Band laut Rezensentin interessante Lektüre.
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