"Es beginnt der Tag" - aber wie kann er in Zeiten der Trauer weitergehen? Immer wieder setzt der Trauerrefrain beim Tagesanbruch an, um zu zeigen, wie das einmal Geschehene weiterwirkt und sich in alle neu versuchten Anfänge einschreibt. Im Fokus steht das sich über einen längeren Zeitraum entfaltende Gefühl der Trauer als das prägende Gefühl einer Zeit, in der die Menschen sich in zunehmender Schärfe dem Verlust von Lebewesen, von Bewohnbarkeit und Gerechtigkeit aussetzen und ausgesetzt sehen. In langsamen Schritten nähert sich der Text dem Auslöser des Trauerprozesses der Autorin: Russlands großflächigem Angriff auf die Ukraine.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2023
Die Nachricht vom Angriffskrieg auf die Ukraine verwandelt sich für die Lyrikerin Anja Utler zum Motor, sich einem anderen, an die japanischen Haikus angelehnten Schreiben zuzuwenden, erzählt Rezensentin Beate Tröger. Jedes der Gedichte beginnt mit dem Vers "Es beginnt der Tag", doch die insgesamt 209 Poeme nehmen jedes ihren eigenen Lauf, von Ohnmacht und Wut über Hoffnung bis zur Verzweiflung, verrät die Kritikerin. Auch die Anleihen an Wislawa Szymborska oder christliche Motivik fallen ihr auf. Für sie ist das als "Trauerrefrain" markierte Buch kein billiges Betroffenheitsgetue, sondern ein Angebot, einen Resonanzraum zu eröffnen, um Krisengefühle zu verhandeln. Das Angebot nimmt Tröger gerne an.
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