Esther Dischereit

Blumen für Otello

Über die Verbrechen von Jena. Klagelieder
Cover: Blumen für Otello
Secession Verlag, Zürich 2014
ISBN 9783905951288
Gebunden, 210 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

In türkischer und deutscher Sprache. Aus dem Türkischen von Saliha Yeniyol. Schüsse. Morde. In Serie. So klar, so brutal, so systematisch und so eiskalt. Die Ermittlungsmaschinerie beginnt zu laufen, doch sie scheitert, weil sie keineswegs so vorbehaltlos rational funktioniert wie sie es von sich behauptet. Zeichen werden missachtet, Hinweise falsch gedeutet, Akten vernichtet, es kann nicht sein, es darf nicht sein.Einfühlsam und mit großer poetischer Kraft ermittelt Esther Dischereit in ihren "Klageliedern", was die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) angerichtet, welche Lücken sie bei den Hinterbliebenen aufgerissen haben. Sie ermittelt mit ihrem Opernlibretto "Blumen für Otello", welche Vorurteile die Verbrechen möglich und ihre Aufklärung unmöglich gemacht haben, wie der Rassismus und die soziale Voreingenommenheit gegenüber einer stigmatisierten Unterschicht den Apparat blind und ihn umso furchtbarer selbst zum Täter gemacht hat, indem er nach Schuld bei denjenigen sucht, die mit ihrem Leben bezahlen mussten. Mit der Shakespeare-Figur des Otello, der als erfahrenes Opfer des Mobs im Gespräch mit dem ermordeten türkischen Blumenhändler Licht in das bringt, was geschehen ist, führt Dischereit uns handgreiflich und zugleich theatralisch vor Augen, wie das Fremde erniedrigt, bekämpft, ausgestossen wird gestern und heute. Ihre Texte sind Teil einer Trauerarbeit unserer Gesellschaft und der Versuch, die Sprachlosigkeit zu überwinden angesichts der Grausamkeit der Taten und der im Versagen offensichtlich werdenden Vorurteile deutscher Behörden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.07.2014

Ein dunkles Buch hat Elisabeth Wagner da gelesen, dunkel und immens wichtig, findet sie. Dass sich Esther Dischereit mit diesem Text nicht den Tätern, sondern den Opfern der NSU-Morde zuwendet, die hier in vielen Stimmen sprechen, dass sie die Wirklichkeit des Terrors dem Leser fast räumlich, körperlich spürbar macht, indem sie Dokumentarisches und Fiktionales kombiniert, Offenes, Skizziertes, scheint der Rezensentin fast wie ein Wunder. Getrieben von dem Wunsch, mehr zu erfahren, liest Wagner immer weiter, die Haltung der Autorin bewundernd und ihre Klage, in der die Täter keinen Platz haben.

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