Mit Vorworten von Leon Wieseltier und James E. Young. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Helmut Reuter. Mit 400 Abbildungen. Wer den Holocaust zu verstehen versucht, muss die Schicksale hinter den Opferzahlen suchen, muss versuchen, die Menschen zu sehen, die sich hinter der wissenschaftlichen Statistik verbergen. Ann Weiss bietet einen einzigartigen Zugang dazu: Sie hat Fotoalben gesammelt und aufbereitet, die jüdische Familien mit nach Auschwitz genommen haben. Der Blick auf das private Leben, auf das ganz normale Familienleben in den nationalsozialistischen Herrschaftsjahren läßt erahnen, was Holocaust wirklich bedeutet hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.01.2002
Mitte der achtziger Jahre entdeckte die amerikanische Dokumentarfilmerin und Bibliothekarin Ann Weiss, selbst Kind polnischer Überlebender, im Museumsarchiv der Gedenkstätte in Auschwitz einen Koffer mit 2400 Fotografien polnischer Juden und begann sodann, diese Bilder zu reproduzieren, berichtet Reinhard Matz. Nach ihren Recherchen hat sie nun eine Auswahl von 400 Fotos zusammengestellt. Die Kriterien für die getroffene Auswahl sind dem Rezensenten Matz allerdings unklar. Diese Bilder hat sie, informiert er, in einem "einheitlich warmtonigen Duktus" reproduziert. Sie verzichtet weitgehend auf Namensgebung und Datierung, dafür aber weniger auf eigene Kommentare, die oft nicht mehr als das seien, was sich der Betrachter auch selbst durch den Anblick der Bilder erschließen könne, moniert der Rezensent. Der Band sei einfühlsam und einnehmend, doch findet Matz den so erzeugten "Betroffenheitsgestus" nicht durchweg günstig.
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