Aus dem Französischen von Gaby Wurster. Wenn es nicht die Besuche am Grab der Mutter sind, so sind es die Geburtstage, zu denen die drei Schwestern aufs Land fahren. Wieder einmal treffen sie sich zu einem solchen Anlass im Haus der Familie, wo der Vater mit seiner neuen Frau, Catherine, lebt. Provoziert durch die Ablehnung der Schwestern enthüllt Catherine der versammelten Familie ein Geheimnis: Eine der Schwestern ist nicht die Tochter des geliebten Vaters. Wie Gift dringt diese Enthüllung in die Beziehungen der Familienmitglieder und die Köpfe und Herzen der Schwestern. Denn eine jede findet plötzlich genug Zeichen dafür, bloß ein Kuckuckskind zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2012
Jeannette Villachica kämpft mit ihrer Enttäuschung angesichts des Potentials, das sie in der Ausgangslage dieses Debütromans der französischen Theaterregisseurin Anne Berest sieht. Es geht um die zwischen Abgrenzung und Wiederannäherung changierende Beziehung dreier Schwestern, die erfahren, dass eine von ihnen von einem anderen Vater stammt, fasst die Rezensentin zusammen. Villachica weiß das "Einfühlungsvermögen" und die knappe und genaue Sprache, die zuweilen mit stilistischen Preziosen veredelt wird, zu schätzen. Dagegen moniert sie, dass die Schwestern als Charaktere nicht wirklich plastisch werden, und das glückliche Ende der Geschichte nicht recht glaubwürdig scheint. Aber vielleicht, überlegt die Rezensentin, ist ihre Enttäuschung auch nur den hohen Erwartungen geschuldet, die der überbordende Beifall für diesen Roman in Frankreich geschürt hat. Insgesamt, findet Villachica jetzt nämlich, legt man dieses Buch durchaus mit einem "angenehmen Gefühl" weg.
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