Aus dem Französischen von Luzia Gast. Als einen unverbesserlichen Träumer bezeichnete der Surrealist André Breton den Menschen, nichts sei uns eigener als unsere Träume, konstatierte Friedrich Nietzsche, und Sigmund Freud meinte gar, mit der revolutionären Methode seiner Traumdeutung das Totenreich in Bewegung versetzen zu können. Wie jede Träumende weiß, ist der Traum ein Erleben intimsten Selbstseins im Gewand merkwürdigster Fremde, ein seltsames Zwischenreich unseres Seelenlebens.Denn unsere Träume erzählen uns in einer unbekannten Sprache das Nächste und zugleich Fernste, sie wachen über uns und unsere Wünsche, sind ein riesiger unterirdischer See von Inspiration und Schaffenskraft, zugleich aber auch jene lebenswichtige, nächtliche Quelle, die uns zu vergessen hilft.Anne Dufourmantelles Buch legt noch einmal die kulturhistorischen Wurzeln des Traums frei und hebt die nicht zu unterschätzende Bedeutung des Träumens für das geistige Leben hervor. Ein engagierter Essay, der deutlich macht, warum gerade angesichts medialer Hyperpräsenz und allgegenwärtiger Rationalitätslogik die immense Kraft der Träume als ureigenste menschliche Intelligenz begriffen werden muss.
Bei der früh verstorbenen Philosophin und Psychoanalytikerin Anne Dufourmantelle lernt Kritiker Cornelius Wüllenkemper Träume als "verborgene Kammern des eigenen Bewusstseins" kennen: Die Autorin zeigt ihm das kreative und lebensstiftende Potential der Träume. Sie verknüpft dabei anonymisierte Sequenzen ihrer Patienten mit kulturhistorischen Überlegungen und macht so die Bedeutung stark, die Träume in unserem Verhältnis zu uns selbst haben, berichtet Wüllenkemper. Er fühlt sich stilistisch zum Teil an Roland Barthes erinnert, dessen Argumentationslinien auch nicht immer ganz klar waren, was aber die Verbindung von "poetischem Sprachvermögen und intellektueller Leichtigkeit" wieder wettmacht. Träume und ihr Potential kann der Rezensent nach der Lektüre nun als Lebenskunst begreifen, resümiert er.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…