Protokoll einer Annäherung
Roman

Otto Müller Verlag, Salzburg 2024
ISBN
9783701313242
Gebunden, 141 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Marie verbringt die Semesterferien mit ihrer besten Freundin Sara am See, in Cafés oder in der Bibliothek. Dort trifft sie auf Robert, den sie über einige Tage hinweg beobachtet, bevor sie ihm ihre Handynummer in den Fahrradkorb legt. Robert meldet sich, doch über der sich entwickelnden Liebe liegt ein Schatten, der Marie durch die Straßen verfolgt, vorbeihuscht am See, von Baum zu Baum pirscht, kommt, um sie zu holen. Marie erzählt Robert von der vorangegangenen Beziehung zu K. und dem Übergriff. Wenn sie Robert küsst, kommt ihr K. in den Sinn. Und dann ist da noch jemand anwesend, anfangs geisterhaft, körperlos: ein Ich, das sich selbst als Erzählerin der Geschichte von Marie bekannt macht und den Verlauf der Liebesgeschichte des jungen Paares in protokollartigen Episoden schildert. Sie begleitet sie durch ihren Alltag, der zwischen spielerischer Leichtigkeit und destruktiver Unnahbarkeit schwankt, bis sie selbst ein Teil der Geschichte wird. In ihrem Debütroman geht Anne Korth der Frage nach, ob ihre Protagonistin nach einer erlebten Gewalterfahrung wieder in die Gegenwart zurückfinden kann, in der die Liebe nicht mehr ein Ort der möglichen Bedrohung ist und ein Schatten eben nur dieser dunkle Bereich neben dem eigenen Körper, wenn er im Licht steht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2025
Rezensentin Emilia Kröger überzeugt Anne Korths Debütroman als Auseinandersetzung mit dem Konnex zwischen Sprachlosigkeit, Erzählen und dem Trauma einer Gewalterfahrung: Marie hat in ihrer letzten Beziehung etwas sehr Schlimmes erlebt, was genau erfährt Kröger nicht, klar wird aber, dass es eine "existenzbedrohende" Erfahrung war. Als Marie dann Robert kennenlernt, wird klar: Um wieder jemanden an sich heranlassen zu können, muss sie ihr Trauma überwinden. Über diese Geschichte einer Annäherung erzählt Korth laut Kröger von den Fangarmen eines traumatischen Erlebnisses und von deren Verarbeitung im Schreiben: Der Text im Protokoll-Duktus ist "sprachlich rund" und nur stellenweise mit biblischer Symbolik überfrachtet, erklärt die Rezensentin. Das Buch hält sie insgesamt für lesenswert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 19.12.2024
Rezensent Cornelius Wüllenkemper ist ausgesprochen angetan von Anne Korths Debütroman. In dem geht es zunächst um Marie, die Zeit mit einer Freundin verbringt und dann auch einen Mann, Robert, kennenlernt, in den sie sich verliebt, erfahren wir. Es gibt aber noch eine weitere, körperlose Instanz in dem Buch, so Wüllenkemper, und dieses Ich schleicht sich an Marie an. Es gibt eine Verbindung von diesem Wesen zu einer früheren Gewalterfahrung Maries mit einem anderen Mann, so der Rezensent, eine Erfahrung, die im Laufe des Buches therapeutisch aufgearbeitet werde. Wüllenkamp gefällt sehr, wie das sprachlich geschickt reduzierte Buch stets in der Schwebe zwischen Realität und Imagination bleibt. Auch die Liebesgeschichte werde immer wichtiger und offenbare sich schließlich als eine Versöhnung Maries mit sich selbst. All das ist, so der von der Lektüre inspirierte Rezensent, stringent und eindringlich erzählt.