Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2000
Sabine Fröhlich sieht zwar Aufklärungsbedarf was die durch sowjetische Militärtribunale veranlasste Internierung von teilweise sehr willkürlich verhafteten Personen nach dem Zweiten Weltkrieg betrifft. Allerdings ist dies ihrer Meinung nach mit dem vorliegenden Buch nicht wirklich gelungen. Die Autorin, selbst eine Betroffene, hat - wie der Leser erfährt - für dieses Buch zahlreiche Überlebende aus dem Frauenlager Hoheneck befragt, und nach Fröhlich besteht "kein Grund, an den Inhalten dieser anonymisierten Berichte" über die Qualen und Barbareien während dieser Inhaftierungen zu zweifeln. Fragwürdig findet die Rezensentin jedoch die mangelnde Distanz der Autorin. Denn anstatt die Berichte für sich sprechen zu lassen, so die Rezensentin, würden diese durch wertende Kommentare gefärbt. Ein eigenständiges Urteil des Lesers werde so erschwert. Verständlich sei dies zwar, da der Autorin selbst Unrecht geschehen ist. Doch dass Matz-Donath die Untaten der "roten und braunen Brüder" auf eine Stufe stellt, ja sogar an mancher Stelle die Überzeugung vertritt, die Zustände in der SBZ bzw. DDR seien noch schlimmer als im NS-Staat gewesen, kann die Rezensentin so nicht akzeptieren. Denn dies laufe auf eine Relativierung der Nazi-Verbrechen hinaus. Eine `umfassende Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur` in der SBZ bzw. DDR kann Fröhlich in diesem Beitrag nicht sehen.
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