Die extremen Linken und die extremen Rechten sind einander in manchen Anliegen näher, als ihnen lieb sein kann. Wo sie einander bekämpfen oder in Gegnerschaft zur EU stehen, erzielen sie doch immer wieder unbeabsichtigt gemeinsame tagespolitische Erfolge. In seinem neuen Buch erklärt Anton Pelinka, warum dies so ist und welche Auswirkungen dies auf die Europäische Union hat. Die Geschichte der europäischen Integration ist voll von Beispielen dafür, dass rechte und linke Extremisten in nicht abgesprochener Allianz die Vertiefung Europas zu verhindern versuchten - nur zu oft mit Erfolg. Das Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft 1954 und des Europäischen Verfassungsvertrages 2005 sind prominente Beispiele dafür. Ausgehend von dieser Evidenz zeigt das Buch, dass die auf den ersten Blick überraschende, gegen die EU gerichtete Frontstellung kein Zufall ist: Vom Kriegspatriotismus des Jahres 1914 über einen auf der extremen Linken als Antizionismus getarnten Antisemitismus bis hin zur Ablehnung der Ergebnisoffenheit der liberalen Demokratie reicht die Kette der Gemeinsamkeiten, die rechten und linken Extremismus verbinden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015
Rezensent Paul Nolte scheint nicht glücklich mit dem Buch des Politikwissenschaftlers Anton Pelinka. Einen Kommentar zur jüngsten Verbrüderung zwischen Links und Rechts in Alexis Tsirpas' "Syriza" bietet ihm der Autor nicht und auch nicht eine Analyse vergleichbarer konkreter Konstellationen in Europa. Die stattdessen von Pelinka anvisierte historische Perspektive auf die "unheilige Allianz" führt laut Rezensent zu einer Rechtfertigung der EU und ihrer Zentrumskräfte. Das ginge für Nolte in Ordnung, hangelte der Autor sich nicht von Redundanz zu Redundanz, von einem Sachfehler zum nächsten, und würde er nicht allzu eindeutig seine Vernunfttheorie der Politik begründen.
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