Aus dem Portugiesischen von maralde Mayer-Minnemann. In einem Elendsviertel von Lissabon treffen sie aufeinander: eine Jugendgang, die hauptsächlich aus Schwarzen, Farbigen und Osteuropäern besteht, die Polizei, die der kriminellen Jugendlichen nicht mehr Herr wird, die Bewohner des Slums. In seinem neuen Roman fängt Lobo Antunes die sozialen Verwerfungen einer globalisierten Moderne ein und verleiht den Menschen am Rande der Gesellschaft starke, unverwechselbare Stimmen. Kurz vor der Pensionierung verfasst ein Polizist einen Bericht über die kriminellen Taten einer Jugendgang, die in einem heruntergekommenen Viertel am Rande von Lissabon ihr Unwesen treibt. Zugleich erinnert er sich an seine Kindheit in der Provinz, seine gescheiterte Ehe, seine entfernt lebende Tochter.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2011
Mit der Wut und dem Mut eines Masochisten stürzt sich Florian Borchmeyer in eine Lektüre, die ihm eher einer Folter zu gleichen scheint als erbaulicher Feierabendbeschäftigung. Dass den Autor das Erbe des Salazar-Regimes nicht loslässt, weiß er schon. Dass Antonio Lobo Antunes derart stilistisch auf die Pauke haut, um seine Geschichte von Gewalt und Rassismus und Prostitution zu erzählen, überrascht ihn dann allerdings doch. Als wollte Antunes das Chaos der Lissaboner Armenviertel in den Text überführen, tritt dem Rezensenten beim Lesen sehr bald ein Reigen kaum unterscheidbarer in inneren Monologen raunender Stimmen entgegen, die allein kontextuell und leitmotivisch als einzelne kenntlich gemacht sind. Für Borchmeyer eine Übung in Konzentration und Ausdauer, die ihn doch immer wieder, wenn auch seltsam glücklich, verzweifeln lässt.
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