José Maria Eca de Queiros

Die Maias

Episoden aus dem romantischen Leben
Cover: Die Maias
Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN 9783446281264
Gebunden, 944 Seiten, 44,00 EUR

Klappentext

Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis. Die portugiesischen "Buddenbrooks" als spektakuläre literarische Wiederentdeckung. Lissabon um 1870. Carlos de Maia stammt aus einer der vornehmsten Familien des Landes und hat alles: Er sieht blendend aus, ist reich, intelligent und hat hochfliegende Pläne. Er und sein bester Freund João brillieren in der feinen Gesellschaft, über deren Rückständigkeit sie sich zugleich lustig machen. Carlos studiert im Ausland, wird Arzt und richtet sich eine luxuriöse Praxis ein, doch schon bald stürzt er sich in eine Affäre mit der rätselhaften Maria Eduarda, die das Zeug dazu hat, nicht nur ihn, sondern seine ganze Familie zu ruinieren. Der größte Klassiker der portugiesischen Literatur, ein Familien- und Gesellschaftsroman voll unvergleichlichem Witz und tiefer Menschenkenntnis.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2025

Eine tolle Wiederentdeckung ist Eça de Queirós epischer Gesellschaftsroman laut Rezensent Rainer Moritz. Die titelgebende Familie lebt im dekadenten Portugal des späten 19. Jahrhundert - die großbürgerliche Gesellschaft ist von Trägheit und Melancholie geprägt. Die zentrale Figur ist Carlos, der nach dem Selbstmord seines Vaters bei seinem Großvater Afonso da Maia aufwächst und große Pläne schmiedet, die aber allesamt nicht in Erfüllung gehen. Er gibt sich einigen Affären hin, eine der Liebesgeschichten führt am Ende zu einer Tragödie, so Moritz, der auch auf einige extravagante Nebenfiguren näher eingeht. Der Rezensent fühlt sich bei Queirós' Spott über das verkommene Großbürgertum an Gustav Flaubert erinnert. Eine gute Sache, dass dieses Buch nun wieder greifbar ist, mit einem hilfreichen Nachwort der Übersetzerin Marianne Gareis versehen, freut sich Moritz abschließend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2025

Nach Meinung von Rezensent Josef Oehrlein hat sich die Mühe der Neuübersetzung von Jose Maria Eca de Queiros' erstmals vor 136 Jahren erschienenen Roman durch Marianne Gareis absolut gelohnt. Zum einen ermöglicht sie die Wiederentdeckung einer der bedeutendsten portugiesischen Autoren seiner Zeit, zum anderen bietet sie einen frischen, treffsicheren Zugang zu dem von feiner Ironie, kraftvoller Sprache und genauer Figuren- und Schauplatzzeichnung geprägten Text, beteuert Oehrlein. Besonders die lebendigen Dialoge und die scharf gezeichneten Nebenfiguren in der drei Generationen umfassenden Familiengeschichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben Oehrlein erfreut. Ein vielfarbig schillerndes Panoptikum menschlicher Tugenden und Eitelkeiten, meint er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.01.2025

Alles, was zu einem großen Gesellschaftsroman dazugehört, findet Rezensent Wolfgang Schneider in José Maria Eça de Queirós portugiesischem Epos aus dem 19. Jahrhundert: eine Generationengeschichte, Familienkonflikte, Intrigen und - ganz viel Leidenschaft. Dabei sind die verschiedenen Familienmitglieder des Adelsgeschlechts der Maia spezifische Vertreter ihrer Generationen, erklärt Schneider. Da gibt es den Patriarchen Alfonos, der für die "weltanschauliche Öffnung" der portugiesischen Oberschichte steht oder seinen Sohn Pedro, der als labiler Melancholiker die nachfolgende Generation verkörpert. Die eigentlich Hauptfigur ist allerdings der Enkel Carlos, so Schneider weiter, ein junger Mann mit großen Ambitionen, der sich jedoch bald nur noch dem gesellschaftlichen Leben in Lissabon zuwendet. Dieses Salonleben nimmt denn auch eine große Rolle im Roman ein und Eça de Queirós schildert das Dasein seiner Figuren zwischen Dekadenz, Vergnügungssucht und Sinnsuche sowohl mit analytischem Fingerspitzengefühl als auch mit feiner Ironie, wie Schneider lobend darlegt. Hier lässt sich sowohl an die Buddenbrooks als auch an Flaubert und den französischen Realismus denken, weiß Schneider. Natürlich, manches hat mittlerweile "Patina angesetzt", vieles bleibt aber auch zeitlos an diesem großen Gesellschaftsporträt, das zudem von Marianne Greis aktualisierend frisch ins Deutsche übersetzt wurde. Schneider hat hier jedenfalls das Gefühl, ein viel zu unbekanntes Meisterwerk endlich zu entdecken!

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.12.2024

Ein Meisterwerk der Weltliteratur gilt es hier zu entdecken, ruft Rezensent Maximilian Mengeringhaus. José Maria Eça de Queirós beweist sich in diesem 1888 erstmals erschienenen Roman als portugiesischer Flaubert, lobt Mengeringhaus, nicht eines der vielen Worte auf den 944 Seiten möchte der Rezensent missen. Worum geht es? Um Großvater Alfonso und vor allem Enkel Carlos, beide Mitglieder der Familie Maia, die dem Roman den Titel gibt, Carlos hat viele Träume, scheitert jedoch letztlich an der Ambitionslosigkeit seiner Zeit, auch in der Liebe findet er kein Glück, stattdessen möchte er ein zeitkritisches Theaterstück verfassen, das allerdings nicht erscheint, resümiert der Rezensent. Großartig abwechslungsreich und immer wieder überraschend ist die Handlung geraten, meint Mengeringhaus, der sich außerdem an Queirós' köstlichem Humor erfreut und schlicht der Ansicht ist: Dieses Buch muss man einfach gelesen haben.

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