Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas. Die Niederlande stehen unter deutscher Besatzung, die Amsterdamer Juden sind in Lebensgefahr, und die junge Jet muss untertauchen bei einem Bekannten. Im Gepäck hat sie ein Bild des Malers Degas. Vor den Deutschen ist Jet in Haarlem sicher, aber nicht vor ihrem Nachbarn, einem Nazi-Kollaborateur.
Um ihr Leben zu retten, muss sie ihrem Peiniger das eigene Kind überlassen, wird ihrem Sohn nie sagen dürfen, dass sie seine Mutter ist. Durch die Augen des kleinen Otto lernen wir eine andere Seite dieses Mannes kennen. Kann ein solcher Mensch ein guter Vater sein? Wird Otto je die Wahrheit erfahren? Und was hat es mit dem Gemälde von Degas auf sich? Inspiriert durch die Erlebnisse ihrer Großmutter, erzählt Ariëlla Kornmehl von den dramatischen Folgen des Politischen im Privaten - vom Leben einer jungen Frau in einer ausweglosen Situation und von ihrem Sohn, der in eine Welt hineingeboren wird, in der nichts am rechten Platz scheint.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2016
Franz Haas ahnt, dass Arielle Kornmehl mit ihrer Familiensaga nah an der Schmonzette vorbeischrammt, doch seinem Lesevergnügen scheint dies kaum Abbruch zu tun. Er stürzt sich mit großer Lust in die Geschichte, die im besetzten Amsterdam ihren Anfang nimmt: Eine jungen Jüdin wird von einem finsteren Nazi erpresst, missbraucht und ihres Sohnes ebenso beraubt wie ihres Degas-Gemäldes. Dieses verschwiegene Geheimnis setzt bei den kommenen Generationen eine Reihe von dramatischen Begebenheiten in Gang, denen Hass ergriffen von Amsterdam nach New York und wieder zuürck folgt. Literarisch sei das Ganze recht schlicht gestrickt, räumt Haas ein, doch die Mischung aus Schuld, Liebe und Raubkunst ergibt für ihn eine solch überwältigende Geschichte, dass er den erst im August erscheinenden Roman bereits jetzt besprechen muss.
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