"Wir leben anders! Wir arbeiten mehr als je zuvor, schaffen bis zu 14 Stunden am Tag, und die Arbeit macht uns bei weitem nicht so kaputt wie die 'nur' acht Stunden vorher im Betrieb. Das liegt ganz eindeutig daran, dass uns der Sinn der Arbeit klar ist, dass die weit weniger entfremdet ist." 1976 veröffentlicht die Arbeiterselbsthilfe Frankfurt dieses Selbstverständnis. Wie viele andere Alternativprojekte dieser Zeit sah sie im selbstbestimmten und kollektiven Arbeiten einen Gegenentwurf zu der Unterordnung in Fabriken und Büros. Ob Landkommunen oder Druckereikollektive, Naturkostläden oder Alternativzeitungen: Durch alltägliche Veränderung sollte die kapitalistische Gesellschaft überwunden werden. 2001 stellt der Trendforscher Matthias Horx das gleiche Zitat dem Managementbuch Smart Capitalism. Das Ende der Ausbeutung voran. Mit der New Economy habe sich eine neue Form des Arbeitens durchgesetzt. Autonomie und unternehmerisches Denken seien kein Widerspruch mehr. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten hat sich die Bedeutung von Autonomie grundlegend gewandelt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.05.2009
Dass heute jeder über eine innere Stechuhr verfügt, macht der Autor dem Rezensenten mit seinem Essay über alternative Firmenstrukturen in den 70er und 80er Jahren schmerzlich bewusst. Von wegen Alternativbewegung! "Äußerst differenziert", so Gottfried Oy, holt Arndt Neumann die Neue Linke vom Sockel, erläutert das Zusammenspiel von Herrschaft und Selbstdisziplinierung und entlarvt die Ablösung von Kontrolle durch Selbstkontrolle als clevere "Befriedung eines gesellschaftlichen Konflikts".
Keine wirklich neuen Erkenntnisse findet Christiane Müller-Lobeck in Arndt Neumanns Band "Kleine geile Firmen". Gleichwohl scheint ihr seine Antwort auf die Frage, "wer uns den Trend zum ultraflexibel agierenden Einzelheinz eingebrockt hat", recht erhellend. Der Autor führe vor Augen, dass die Wurzeln von Konzepten wie "Autonomie" und "Individualität", die heute in vielen Management-Handbüchern zur Arbeitsorganisation herumgeistern, in den Betriebsgründungen der alternativen Bewegung in den späten 70er-Jahren zu suchen sind. Neben Neumanns Analyse der Verbindung zwischen dem Bedürfnis nach Autonomie und unternehmerischem Denken in diesen Jahren hebt Müller-Lobeck seine mit "altväterlicher Abgeklärtheit" vorgetragene Liste der Verfehlungen der Gründer alternativer Betriebe sowie die Auseinandersetzung mit dem Trendbüro-Gründer Matthias Horx hervor.
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