Aus dem Französischen von Bettina Bach. Mit einem Nachwort von Olga Grjasnowa. Baku um 1900: Als Tochter eines Ölbarons wächst Banine in einer Welt voller Widersprüche auf. Die Großmutter: eine muslimische Matriarchin. Das Kindermädchen: eine engelsgleiche Deutsche. Heimlich liest sich Banine durch die Bibliothek ihrer Tante, während der Rest der Verwandtschaft kettenrauchend Poker spielt oder mit dem Mercedes über die einzige Allee Bakus rollt. Mit der Oktoberrevolution bricht diese Welt zusammen und Banine verliebt sich zum ersten Mal - ausgerechnet in den Bolschewiken, der ihre Familie enteignen soll. Doch um ihrem Vater die Flucht zu ermöglichen, heiratet Banine mit 15 Jahren einen Mann, den sie inbrünstig hasst. Am Ende flüchtet sie selbst in ein neues Leben: mit dem Orientexpress nach Paris.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.01.2022
Rezensentin Sophie Wennerscheid weiß, dass dieser Roman bei seinem Erschienen 1949 in Deutschland ein Renner war, mit einem Vorwort von Ernst Jünger. Ob sie ihm jetzt einen ebenso großen Erfolg wünscht, ist nicht ausgemacht: Banine, eigentlich Umm-El-Banine Assadoulaeff, Tochter eines aserbaidschanischen Ölbarons, die offenbar auch zu sowjetischen Zeiten recht umstandslos zwischen Baku, Moskau und Paris reisen konnte, erzählt darin von ihren zahlreichen amourösen Abenteuern, wie Wennerscheid berichtet, die das mitunter herrlich ungezwungen findet. Das "Drauf-Pfeifen" beherrsche Banine wie die ausschweifende Fabulierlust. Weniger begeistert ist sie von der herablassenden Art, mit der Banine über die Sitten und Gebräuche ihrer aserbaidschanischen Familie erzählt. Wie sich hier eine Aufsteigerin über ihre Familie erhebt, ist ihr unangenehm.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.01.2022
Rezensent Jörg Plath liest gespannt die Autobiografie von Umm-El-Banine Assadoulaeff, der Tochter eines aserbaidschanischen Ölbarons. Die 1905 in Baku geborene Autorin, die als Model, Verkäuferin und Übersetzerin arbeitete, erzählt darin zum einen vom Aufwachsen in Aserbaidschan, welches sie und ihre Familie kurz vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs verließen, zum anderen aber auch von ihrer komplizierten Liebesgeschichte mit einem deutlich älteren Polit-Kommissar, den sie jedoch nicht heiraten konnte, da ihr in Haft sitzender Vater ihr seinen Befreier Jamil empfahl, erklärt der Rezensent. Das Buch, welches bereits 1946 in Frankreich erschien, hat ein offenes Ende, weshalb der Rezensent auf eine Übersetzung der Fortsetzung "Pariser Tage" hofft, obwohl sie im Nachwort Olga Grjasnowas nicht mal erwähnt wird.
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