Every Body Counts
Gier und der Handel mit Menschen

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446280694
Gebunden, 272 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Von Mafia-Kartellen über glamouröse Modehäuser bis hin zur katholischen Kirche: Menschenhandel als profitabelstes Verbrechen ist überall präsent. "Migranten sind profitabler als Drogen", sagte ein Mafiaboss kurz vor seiner Verhaftung. Kein milliardenschweres transnationales Verbrechen ist schwerer durchschaubar als der Menschenhandel. Von der kriminellen Unterwelt bis zu Regierungen, Banken, glamourösen Modehäusern und sogar der katholischen Kirche folgt diese Recherche dem Geld, um eine Industrie zu enthüllen, in der ein Menschenleben nichts zählt - und doch unschätzbar wertvoll ist.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 30.07.2025
Lesenswert, nicht lösungsorientiert ist dieses gut recherchierte Buch der Journalistin Barbie Latza Nadeau, meint Rezensentin Katja Scherer. Es sensibilisiert für die Alltäglichkeit von Menschenhandel unter anderem in Europa. Menschenhandel ist eine milliardenschwere Industrie, die zunehmend auch in legale Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft und Textilindustrie hineinreicht, lesen wir. Nadeau dokumentiert in zehn Kapiteln verschiedene Facetten dieses wachsenden Problems, darunter die Ausbeutung von Flüchtlingen, die zur Prostitution gezwungen werden, Zwangsarbeit in Fabriken und Weinbergen sowie Organ- und Kinderhandel, und zeigt die skrupellosen Strukturen und Netzwerke hinter den Tätern auf. Scherer kritisiert, dass das Buch zwar die vielen grausamen Facetten der Verbrechen aufzeigt, aber die Analyse und Lösungsansätze zu oberflächlich bleiben. Zwar gebe es Empfehlungen zur individuellen Verantwortung, doch diese seien unzureichend angesichts der komplexen, globalen und vor allem politischen Ursachen des Menschenhandels.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 26.07.2025
Ein hartes, allerdings auch lehrreiches Buch liest Rezensentin Nina Apin von Barbie Latza Nadeau. Es behandelt das Thema Menschenhandel in der Gegenwart, erfahren wir, und damit eine ganze Reihe unterschiedlicher Praktiken: Sogenannte Love-Scammer etwa werden oft dazu gezwungen, falsche Liebesschwüre in Richtung Europa zu senden, Babyfarmen liefern Menschenmaterial für illegale Adoptionen, die Modeindustrie beruht in Teilen auf Ausbeutung, um nur einige Beispiele zu nennnen. Auch wenn man all das in den Grundzügen bereits vorher wissen konnte, liefert das Buch doch laut Apin wichtige Informationen zur Kontextualisierung, etwa wenn sie darauf hinweist, dass Prostitution nicht die einzige Form von Menschenhandel ist, sondern lediglich ein gutes Fünftel der weltweiten Fälle ausmacht. Nadeau geht laut Apin auf die Rolle von Kriegen und verschärfter Migrationspolitik als Begünstigern von Menschenhandel ein, wobei sie darauf hinweist, dass auch manche vermeintlich flüchtlingsfreundliche Initiativen das Problem verschlimmern, wenn sie nicht verhindern, dass Migranten in die Fänge von Kriminellen geraten. Nicht leicht zu ertragen ist manches, was hier zu lesen ist, stellt Apin klar, etwa wenn es um Snuff-Videos mit verschleppten Kindern geht, aber insgesamt legt die Autorin ein starkes, auf eigenen Recherchen sowie auf Vorarbeiten von NGOs basierendes Buch vor.