Herausgegeben von Judith Schalansk. Mit Illustrationen von Falk Nordmann. Zugegeben, es gibt anziehendere Tiere: Ihre glitschige Haut und ihr von Flecken und Warzen gezeichneter Körper stoßen uns ab, und ihr Leben im Morast mit seiner Aura von Fäulnis und Gestank erinnert uns unfreiwillig daran, wohin wir alle einmal gehen.
Dass wir der Kröte weniger mit Abscheu als mit Faszination begegnen sollten, zeigt Beatrix Langner in ihrer Natur- und Kulturgeschichte des behäbigen Hüpfers. Auf ihrer Krötenwanderung führt sie uns durch Kunst und Literatur, vorbei an den Seziertischen der Wissenschaft sowie in den eigenen Garten und beleuchtet diese schillernden Geschöpfe im Zwischenreich von Trockenem und Feuchtem, Wasser und Land, Männchen und Weibchen. Dass sie ihre fröhliche Vermehrungslust gern mit trillernden und quakenden Klangwelten orchestriert, sollte uns ebenso für sie einnehmen wie die Tatsache, dass sie als Amphibie zu den ältesten und unerschütterlichsten Repräsentanten des Lebens auf der Erde gehört. Ob es uns nun gefällt oder nicht, in jedem von uns steckt - nicht nur evolutionsgeschichtlich - eine Kröte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.07.2018
Rezensent Tobias Lehmkuhl gerät ins Schwärmen angesichts des neuen, in Zusammenarbeit des Verlegers Andreas Rötzer und der Autorin Judith Schalansky erschienenen Bandes der Reihe "Naturkunden". Überhaupt ist die Reihe für den Kritiker ein Fest des Nature Writings und auch Beatrix Langners Band "Kröten" steht dem in nichts nach, beteuert Lehmkuhl: Vorzüglich gestaltet mit Abbildungen von Hieronymus Bosch bis Maria Sibylla Merian und Zeichnungen von Falk Nordmann lässt sich der Rezensent hier gern in die Untiefen des Krötendaseins führen, liest, wie sie von Ärzten einst als kühlendes Pflaster oder als lebendes Zellmaterial für Schwangerschaftstests missbraucht wurden, bis ins Mittelalter als Teufelswerk betrachtet wurden und dabei nicht nur in hinsichtlich ihrer Farbvielfalt faszinierende Wesen sind. Nach der Lektüre kann man gar nicht anders als "Sympathie mit dem Underfrog" zu haben, meint Lehmkuhl.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…