Lothar Müller

Spinnen

Ein Porträt
Cover: Spinnen
Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN 9783751840200
Gebunden, 151 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Judith Schalansky. Die Spinne, dieses achtbeinige, behaarte Wesen mit seinen rätselhaft unbeweglichen Augen, das seit mehr als 300 Millionen Jahren in Höhlen und auf Bäumen lebt, hat sich tief in unseren realen und imaginären Kellern und Dachböden - und nicht zuletzt dem Unbewussten - eingenistet. Es ist ihr Körperbau, die sie zum ganz und gar anderen Wesen werden lässt.Ganz gleich, ob es sich um Lügengewebe, Hirngespinste oder Netze metaphysischer Spekulation handelt - der seidene Faden, den die Spinne aus Drüsen an ihrem Hinterteil blitzschnell abzusondern vermag, inspiriert dazu, dieses Verhalten als Metapher für vielfältige und auch widersprüchliche Praktiken zu lesen. Und so knüpft Lothar Müller in seinem assoziationsreichen Portrait ein dichtes Netz aus erhellenden und obskuren, auf jeden Fall schillernden Deutungen der fremdartigen, doch allgegenwärtigen Tiere: von Kierkegaard, der mit ihnen über das Dasein spekuliert, zu Spiderman, der doch nie Spinne wird, von Marx, der seine Arbeitswertlehre mit Blick auf die "Spinning Jenny", die erste Spinnmaschine, und auf die automatischen Webstühle entwickelt, zum Arachne-Mythos als Ursprung des Erzählens als Widerstand, bis zur Künstlerin Louise Bourgeois, die sie als "Maman" in Riesenskulpturen zur großen Beschützerin werden lässt, deren Kokon Platz für uns alle bietet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2025

Rezensent Christian Schwägerl freut sich, dass nach all den Katzenbüchern nun von Lothar Müller ein Buch über Spinnen erscheint. Lesenswert findet er Müllers Kulturgeschichte der Spinnen vor allem wegen der intensiven Beschäftigung mit der Rolle der Spinne in Mythen und Sagen und in der Literatur, ob bei Tolkien oder Joseph Roth. Und wenn Müller Maria Sybilla Merians lange Zeit nicht ernstgenommene Entdeckung der Vogelspinne in den Blick nimmt, erfährt Schwägerl auch so einiges über männliche Vorurteile in der Wissenschaft.

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