Gruppenbild mit Selbstauslöser.
"Panikherz" war eine Reise ins Innere. Nun geht es in die umgekehrte Richtung: nach draußen, zu den anderen.
Mit Boris Becker schaut er in Wimbledon das berühmte Finale von Wimbledon. Mit Helmut Dietl scheitert er in Berlin wegen Berlin an Berlin. Dem Freund Christian Ulmen schaut er zu bei der Verwandlung in "Christian Ulmen". Mit Ferdinand von Schirach schweigt er in der Schreibklausur über das Schreiben. Bei Madonna live in L.A. entdeckt er wahrhaftige Künstlichkeit. Mit Thomas Bernhard löscht er eine Redaktionskonferenz über Thomas Bernhard aus. Und Pharell Williams singt den Sommerhit zum Herbstanfang, verspätet sich aber - der Autor fährt unterdessen ein letztes Mal an den See. Außerdem: ein melancholisches Adieu an das bedruckte Papier. Ein Selbstversuch im Tattoostudio.
"Wer ihn dann 2050, 2060, 2090 liest..." beendet Rezensent Alexander Cammann seine Lobeshymne auf Benjamin von Stuckrad-Barres neuen Band mit journalistisch-literarischen Gegenwartstexten und äußert damit seine Überzeugung, dass dieser Autor dann auch noch gelesen wird. Für Cammann ist Stuckrad-Barre schon jetzt ein Klassiker. Nichts weniger als "genial" findet er das Wechselspiel von Zögern und Voranpreschen sowie die stilistischen Tricks, mit denen er die Lektüre spannend und abwechslungsreich gestalte. Dieser Autor führt den Leser direkt hinein in die Situationen, die er erlebt hat und die er schildert, schwärmt Cammann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2018
Rezensent Julian Dörr kann genau einen Text aus diesem neuen Sammelsurium von Benjamin von Stuckrad-Barre empfehlen: die Kurzgeschichte "Tattoos". Hier nämlich gelinge dem Autor ausnahmsweise eine zeit- und ortlose allgemeingültige Geschichte. Der große Rest im Band lässt die Rezensentin fragen, wie zeitgemäß dieser Autor eigentlich noch ist. Die versammelten Porträts über Boris Becker, Jürgen Fliege oder Helmut Dietl sind nicht nur sämtlich Männern gewidmet, stellt Dörr fest, sondern auch längst abgeschriebenen. Die Sprache, mit der der Autor diesen "Strauchelnden" nostalgisch, empathisch begegnet, scheint Dörr immerhin noch immer absolute Gegenwart zu behaupten.
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