Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. Longferry, England, Sechzigerjahre. Thomas Flett ist Anfang zwanzig und lebt mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Seinen Vater hat er nie kennengelernt. Die Schule hat er abgebrochen, er verdingt sich als Krabbenfischer: ein Handwerk, das ihn sein Großvater gelehrt hat. Niemand kennt das Meer und seine Gezeiten so gut wie Thomas. Früh am Morgen bei Niedrigwasser fährt er mit Pferd und Kutsche los, um sich den Unterhalt für den Tag zu verdienen, ein Leben von der Hand in den Mund. Heimlich lernt er Gitarre spielen und träumt von Joan, der Schwester seines besten Freundes. Aber für Träume ist kein Platz in Longferry. Als der amerikanische Regisseur Edgar Acheson in der Stadt eintrifft, wird Thomas' vermeintlich einfaches Leben erschüttert. Er bekommt eine Ahnung von der großen, weiten Welt, davon, was da draußen auf ihn warten könnte, und schließt Freundschaft mit dem Mann, der in jeder Hinsicht anders ist als er. Ein Funke in ihm ist entzündet - aber nichts ist so, wie es scheint. Nur eines ist sicher: Am nächsten Morgen bei Niedrigwasser wird Thomas wieder dem Ruf des Meeres folgen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2025
Rezensent Rainer Moritz schwärmt von der suggestiven Kraft des neuen Romans von Benjamin Wood. Abgesehen von einigen eher unwahrscheinlichen Passagen gegen Ende der in den 1950er Jahren in einem fiktiven Küstenort im Nordwesten Englands spielenden Story um einen ums finanzielle Überleben kämpfenden Krabbenfischer überzeugen Moritz die Intensität der Geschichte und ihre raue Kulisse. Wie ein unvermittelt auftauchender Fremder für ein Glücksversprechen sorgt erzählt der Autor laut Moritz leider etwas zu traumlastig, doch findet der Text schließlich wieder zu seiner suggestiven Kraft, verspricht der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.08.2025
Rezensentin Petra Pluwatsch beschreibt Benjamin Woods stille, eindringliche Geschichte eines jungen Krabbenfischers in den 1960er-Jahren. Thomas Flett lebt im abgelegenen Longferry und "zieht jeden Tag seine Runden durch das zurückweichende Wasser". Die Mutter wurde mit fünfzehn Jahren vom Geschichtslehrer des Ortes geschwängert, lesen wir, seitdem lebt sie von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen, der Lehrer ist im Zweiten Weltkrieg gefallen. Thomas wächst bei seinem Großvater auf, der ihm das Krabbenfischen beibringt und träumt heimlich von einer Karriere als Musiker. Dann taucht ein US-Regisseur mit Henry Fonda im Gepäck auf und lässt kurz die Welt größer erscheinen - auch wenn sich die Chance, aus Longferry rauszukommen, abrupt zerschlägt, wie Pluwatsch verrät. Wood erzählt aus Thomas' Perspektive, in "schnörkelloser, mitunter schlichter Sprache", und fängt Meer, Nebel und Melancholie in präzisen Bildern ein. Ein leises Buch über Pflicht, Freundschaft und den Wunsch nach Selbstbestimmung, resümiert die Kritikerin.
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