Geschichten von der unteren Klasse, Literatur über soziale Herkunft - meist sind das Erzählungen von Aufbruch und Aufstieg. Olivier Davids Essays kreisen um diejenigen, die unten geblieben sind. Die, mit den schmerzenden Körpern, die Nachtarbeitenden, die Vergessenen - und um ihn selbst. Wie fühlt es sich an, mit dem eigenen Körper und der eigenen Gesundheit den Wohlstand höherer Klassen zu bezahlen? Was bedeutet es, unten zu bleiben, damit die oberen ihren Status, ihre Macht, ihre Privilegien behalten können? Wie selbstbestimmt kann die Entscheidung, allein zu bleiben sein, wenn soziale Beziehungen durch Vereinzelung, Geldmangel und eingeschränkte Teilhabe unter Druck stehen? Wie soll Geschichte weitergegeben werden, wenn es kein kollektives Gedächtnis armer Menschen gibt? Olivier David beschäftigt sich anhand von Beobachtungen und Erfahrungen mit dem Einfluss von Klasse auf sein Leben - und die Leben derer, die er seine Leute nennt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2024
Olivier Davids "Von der namenlosen Menge" berichtet vom Leben armer Menschen in Deutschland und versteht sich als wütende Anklageschrift gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse. Anschaulich und bewegend, findet Rezensent Gerald Wagner, schildert David, der nach eigener Aussage selbst dem Prekariat entstammt, zum Beispiel die Auswirkungen schlecht bezahlter Arbeit auf seinen Körper und die seiner Eltern. Seine Gesellschaftstheorie ist dem Rezensenten allerdings zu deterministisch und beziehe die Bemühungen der ,herrschenden Klasse' um eine Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen - durch einen Ausbau des Sozialstaats, in der Bildungsförderung und der Arbeitsmarktpolitik - nicht ausreichend ein. Mehr Respekt für die arbeitende Klasse erwirkt sein manifestartiger Text dennoch, urteilt Wagner, und ist allein deshalb schon lesenswert.
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