Aus dem Russischen von Maria Rajer. Eine junge Frau ist mit ihrem Vater und ihrer Geliebten unterwegs nach Moskau. Der Vater ist Fernfahrer, seit er vor zehn Jahren seine Frau und seine Tochter in Ust-Ilimsk, Sibirien, verließ, weil der Boden dort für ihn zu heiß wurde. Tagsüber fuhr er Taxi, nachts räumte er mit seinen Kumpanen fremde Wohnungen aus. Die Tochter hat den Vater zehn Jahre lang nicht gesehen, aber auf der LKW-Fahrt durch die endlos weite Steppe lernt sie ihn und sein Leben kennen. Oxana Wassjakina zeichnet das Porträt eines einfachen Mannes, dessen Weg von Alkohol, Drogen, Gewalt und schlechtbezahlter Arbeit geprägt ist, und der sich erstmals seiner Tochter anvertraut, die ihm trotz aller Fremde noch ein Stück Familie ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024
Die Steppenliteratur der Autorin Oxana Wassjakina erinnert Rezensentin Philine Bickhardt an Erzählungen von Anton Tschechow, und lässt sich gerne von der "rauen Schönheit" Sibiriens und dieser magischen Prosa verführen. Wassjakina widmet sich der konfliktreichen Beziehung zu ihrem Vater. Diese liest Bickhardt allerdings eher symbolisch für die Herausforderungen des Lebens in der Steppe, zu der sich die Autorin paradoxerweise hingezogen fühlt, denkt die Rezensentin. Wassjakinas Literatur sei zwischen "Seelenschau" und Spiegelung "gesellschaftlicher Umbrüche" anzusiedeln und die Kritikerin schätzt die experimentelle Autofiktion, die Wassjakina betreibt, sehr. Bei so viel literarischer Sensibilität stellt sie sich allerdings die Frage, wie Wassjakina heute noch in Russland bleiben kann, und die einzig vernünftige Antwort, die sie darauf findet, ist das Imperativ, der Gewaltkultur in ihrer Heimat literarisch Widerstand zu leisten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.09.2024
Rezensentin Olga Hochweis empfiehlt Oxana Wassjakinas Roadmovie mit ihren von Drogen und die strukturelle Gewalt im zerbrechenden Sowjetreich gezeichneten Vater. Das Wiedersehen nach zehnjähriger Absenz und der gemeinsame Trip durch die karge Steppe eröffnet der Autorin die schmerzvolle, aber unpathetische Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte und dem Leser das sachliche Porträt eines Mannes und der Gesellschaft, die ihn geprägt hat, erklärt Hochweis. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges erscheint der im Original bereits 2022 erschienene Text der Rezensent besonders aktuell.
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