Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus

Philipp Reclam jun. Verlag, Ditzingen 2025
ISBN
9783150146668
Taschenbuch, 160 Seiten, 8,00
EUR
Klappentext
Die Gefahren der Artificial General Intelligence Elon Musk und Donald Trump kündigen massenhaft Verwaltungsmitarbeitern, um einen KI-Staat zu errichten. Tech-CEOs verkaufen künstliche Intelligenz als Heilsbringer für die größten Probleme der Menschheit, obwohl die entsprechende Industrie auf Ausbeutung und Menschenverachtung beruht.Warum lässt sich die Öffentlichkeit durch Spekulation über Erlösung oder Auslöschung durch KI von den erheblichen Schäden durch KI in unserer Gegenwart ablenken? Wie erkennen wir die zunehmend faschistischen Tendenzen, die sich im Zusammenspiel von Tech-Industrie und der neuen Rechten bilden?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2026
Dieses Buch von Rainer Mühlhoff bekommt viel von den aktuellen Entwicklungen in Trump-Amerika zu fassen, versichert Rezensent Uwe Ebbinghaus. Nur, dass Mühlhoff diese Entwicklungen unter dem Begriff Faschismus subsumiert, leuchtet Ebbinghaus nicht ein. Denn der Autor befleißigt sich eines Zirkelschlusses: Gerade weil die Allianz aus Trumpisten und IT-Großunternehmen sich in Manchem vom historischen Faschismus unterscheide, sei es notwendig, sie dennoch als faschistisch zu identifizieren. Faschismus wird vom Autor als Demokratiefeindlichkeit plus Brutalität plus Technologieeinsatz gefasst - eine eigenwillige Begriffsauslegung, findet der Rezensent. Im Folgenden geht es viel um die Gefahren von KI, einer Technologie, die sich perfekt zur brutalen Machtausübung eignet und sich mit diversen libertären Ideologemen wie etwa dem Transhumanismus gut verträgt. Insgesamt liest Ebbinghaus Mühlhoffs Ausführungen zur autoritären Umformung der USA mit Gewinn; nur "Faschismus" hält er nach wie vor in diesem Zusammenhang für einen irreführenden Begriff.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 27.09.2025
Mit Gewinn liest Rezensentin Hendrikje Schauer Rainer Mühlhoffs Analyse zum faschistischen Potenzial von Künstlicher Intelligenz. Denn an sich faschistisch strukturiert seien diese Systeme, hier insbesondere Sprachmodelle, zwar nicht. Aber weil sie nach dem Schema "Wiederholung nach Wahrscheinlichkeit" arbeiten, reproduzieren sie eben nach Quantität und nicht Qualität - und die Quantität, das seien oft rassistische, sexistische oder antisemitische Aussagen. Hilfreich findet Schauer hier die Bezeichnung der "stochastischen Papageien", geprägt von der Computerlinguistin Emily Bender in Anlehnung an den realen Fall von Papageien in einem britischen Tierpark, die nur noch Beleidigungen und Flüche von sich geben - weil sie es so gelernt haben. Das heißt, vermittle Mühlhoff, dass wir zunächst alle angehalten sind, selbst weniger zu "fluchen", also unser Datenfutter zu kontrollieren. Als zwei weitere konkrete "Handlungsempfehlung" gebe der Autor "Anders über KI-Technologie sprechen" und "Antidemokratische Kräfte isolieren" an die Hand, fasst Schauer zusammen; auch insgesamt scheint sie die Ausführungen des Philosophen und Mathematikers aufschlussreich und dabei angemessen warnend, aber nicht dramatisierend zu finden. Wozu sie gern mehr gelesen hätte: die massiven ökonomischen Machtausübungen, die mit der KI-Verfechtung einhergehe und die im Buch nur gestreift würden.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.08.2025
Lesenswertes zum Thema KI und Faschismus schreibt Rainer Mühlhoff laut Rezensentin Vera Linß in diesem Buch. Der Philosoph und Mathematiker Mühlhoff meint, so Linß, mit Faschismus nicht die historische politische Bewegung, sondern eine Melange aus Antidemokratismus, brutaler Interessendurchsetzung und digitaler Technologie. Der Grund dafür, dass diese toxische Mischung derzeit en vogue ist, sei, dass digitale Technik grundsätzlich überschätzt wird, was man bereits an einem Begriff wie "künstliche Intelligenz" sehen kann, der verspreche, dass Maschinen Menschen übertrumpfen könne - auch andere von Mühlhoff sogenannte "Tech-Ideologien" weisen in diese Richtung. Mühlhoff glaubt allerdings ebenfalls daran, dass digitale Technologien zur Durchsetzung faschistischer Ziele benutzt werden können. Er selbst plädiert dafür, den Umgang im KI auf eine demokratische Grundlage zu stellen. Klarer wird das Argument im Rahmen der kurzen Besprechung nicht, Linß jedenfalls hält Mühlhoffs Ausführungen auch mit Blick auf deutsche Debatten für relevant.