Bernard Manin

Kritik der repräsentativen Demokratie

Cover: Kritik der repräsentativen Demokratie
Matthes und Seitz, Berlin 2007
ISBN 9783882210224
Gebunden, 350 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Tatjana Petzer. Was wir heute unter "Demokratie" verstehen, hat Ursprünge in einem institutionellen System, deren Errichtung zwar die Folge der Revolutionen in England, Amerika und Frankreich ist, aber ursprünglich keineswegs als "Regierung des Volkes" wahrgenommen wurde. Bernard Manin weist eine erstaunliche Konstante in der Geschichte neuzeitlicher politischer Systeme nach: die bewusste Entscheidung für Regierungsformen, die man als "aristokratische" bezeichnen kann und gegen Formen der Demokratie, wie sie im antiken Griechenland oder im Italien der Renaissance üblich waren.
Die entscheidenden Denker der französischen und der amerikanischen Verfassung, Sieyes und Madison, sahen im repräsentativen Regierungssystem keine Form der Demokratie. Für sie verkörperte es vielmehr eine Regierungsform, die sich von dieser wesentlich unterschied und zudem von ihnen bevorzugt wurde.
Bernard Manin hinterfragt in diesem grundlegenden Werk politische Selbstverständlichkeiten und Selbstverständnisse nach ihrer historischen Haltbarkeit. Es gelingt ihm, durch Analysen von Wahlsystemen und konzisen Begriffsgenealogien unsere "demokratischen" Regierungsformen neu zu denken und zu überdenken. So schafft er die Möglichkeit, verkrustete und womöglich überholte Strukturen zu erkennen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007

Faszinierend findet Johan Schloemann diese Studie Bernard Manins über die repräsentative Demokratie, eröffnet sie für ihn doch einen ungewohnten Blick auf diese Staatsform. Der These des Autors, die neuzeitliche, repräsentative Demokratie sei im Grunde keine Demokratie, kann er einiges abgewinnen. Deutlich wird für Schloemann jedenfalls, dass unser Repräsentationssystem eigentlich eine Mischverfassung ist, die zwar demokratische Elemente enthält, deren Grundprinzip aber nicht demokratisch ist. So galt die Wahl von Abgeordneten ursprünglich als aristokratisch und nur das Losverfahren zur Bestimmung der Abgeordneten nach dem Muster der klassischen Demokratie Athens als demokratisch. Schloemann bescheinigt dem Autor, dies anhand kluger politik- und ideengeschichtlicher Analysen bedeutender Staatsdenker überzeugend vor Augen zu führen.

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