Die politischen Selbstverständlichkeiten sind gehörig ins Wanken geraten. Die Welt, wie wir sie kannten, ist "aus den Fugen". Doch mittlerweile zeigen sich die Konturen einer neuen Welt immer klarer. Man muss sie nur sehen wollen. Die Erschütterungen dieser Jahre sind hilfreich und notwendig, um den aufgeklärten, aber auch privilegierten Kreisen dieses Landes die Augen zu öffnen für die Ursachen, die viel zu lange verdrängt worden sind: die Wucht, mit der die weltweiten Krisenherde an unser Leben unmittelbar heranrücken, und die grotesken und obszönen Ungerechtigkeiten, die so sichtbar werden und die sich die Opfer nicht mehr bieten lassen, bei uns und weltweit.
In Zeiten von Brexit, Trump-Amerika, IS-Terror, weltweiter Flüchtlingsströme und neuem Nationalismus wächst das Bedürfnis und die Notwendigkeit politischer Bestandsaufnahmen und Analysen, die über den Tag hinaus reichen. Dieser Arbeit hat sich Bernd Ulrich als Zeit-Redakteur gewidmet und bei den zahllosen nationalen und internationalen Krisen immer wieder nach Ursachen und Zusammenhängen gefragt. Darauf basierend entwirft Ulrich ein Epochenbild.
Mitten ins diskursive Getümmel führt Bernd Ulrich den Rezensenten. Stefan Reinecke bewundert den Scharfsinn, die Überspitztheit und sogar die Selbstverliebtheit des Autors, wenn der "quecksilbrig" Alltagsbeobachtung und Globalanalyse, Essay und Leitartikel verbindet. Auch wenn Ulrich nicht immer eindeutig ist, so bei der Migrantenfrage, mit seinen Untergangsprognosen laut Rezensent übers Ziel hinausschießt und Berlins Rolle überdimensioniert - interessant zu lesen ist das allemal, findet Reinecke.
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