Sich damit zu trösten, dass ein Armer größere Chancen hat, in den Himmel zu kommen, als ein Reicher, genügt uns nicht. Wir wollen mit unserem Buch beantworten, wie er schon vorher des paradiesischen Lebens teilhaftig werden kann - nicht mehr, aber auch nicht weniger", so das Credo dieses Werkes. Und so erfährt man - wie man sich bei Botschaftsempfängen den Bauch vollschlagen kann und kostengünstig in die Kulturtempel der Hauptstadt kommt - wie man auf seine tägliche Zeitungslektüre nicht verzichten muss - wie man für wenig Geld gut isst oder sich von der Natur den Tisch decken lässt (mit Lageskizze für Obstbäume, Pilzstellen und Fischgebiete) - wie man dem Berliner Winter entkommt - wie man sich von Behörden und Arbeitsämtern nicht kleinkriegen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2008
Gut gefallen hat Rezensent Andreas Kilb der Ratgeber "Berlin für Arme" von Bernd und Luise Wagner. Nicht unbedingt oder in erster Linie wegen der zahlreichen und offensichtlich auch brauchbaren Tipps, wie man in Berlin Kultur oder Nahrung umsonst bekommt. Sondern weil es den Anspruch, Armut mit Würde und Stil zu verbinden, seines Erachtens überzeugend einlöst. So findet er in dem Buch zu nahezu jedem Ratschlag die "passende Reminiszenz" von Lao-tse über Meister Eckhart bis Sandor Marau. Für Kilb hat Wagners Haltung etwas Heroisches. Zugleich spürt er hinter der "gutgelaunten Ironie" des Texts die Melancholie eines Schriftstellers, dessen Hoffnungen sich nicht erfüllt haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.03.2008
Einen zwiespältigen Eindruck hat Bernd und Luise Wagners "Berlin für Arme" bei Christian Welzbacher hinterlassen. Ein Buch für "wirklich" Arme sieht er darin nicht, eher einen Ratgeber "Gesinnungsschwaben", weshalb ihm der Titel "Berlin für Schnorrer" auch zutreffender schiene. Das Ganze kommt ihm ein wenig vor wie ein Mix aus Schlingensief, von Schönburg und digitaler Boheme, versehen mit Tipps, wie, wo und wann man in Berlin was - Essen, Kleidung, Kultur - umsonst kriegt. Er attestiert dem Text, eine ironisierenden, süffisanten Tonfall, der ihn an die Erzählhaltung der neunziger Jahre erinnert. Andererseits findet er immer wieder wunderbare Sätze, die ihn fast aphoristisch anmuten.
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