Das Bewusstsein für Tierschutz ist ein Phänomen der Neuzeit - das lässt sich aus Bernhard Kathans kulturgeschichtlichen Untersuchungen zweifelsfrei festhalten. Den Schock der Erkenntnis, dass zwischen Mensch und Tier eine beträchtliche Verwandtschaft besteht, datiert er auf das Jahr 1699, in dem Edward Tysons Buch "Orang-Outang, sive Homo Sylvestris, or, the Anatomy of a Pygmie Compared with that of a Monkey, an Ape, and a Man" erschien. Das Ganze gipfelte dann in Darwins Abstammungslehre. Eine Umkehrbewegung setzte allerdings rasch ein: In der technischen Ausgrenzung des Leidens der Tiere aus unserer Aufmerksamkeit. Der Schmerz des Schlachthoftodes bleibt uns fern. Rezensent Gerhard Neumann ist von Kathans Buch sehr angetan. "Angenehm" findet er es, dass der Autor weder "sentimentalisiert" noch "moralisiert", höchstens einmal in beinahe "poetischen" Szenen wie der der Einschläferung einer Katze klar macht, auf welcher Seite er steht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.03.2004
Richard David Precht hat in diesem Buch des Künstlers und Sozialwissenschaftlers Bernhard Kathan eine, wie er lobt, "kleine, aber sehr genau gezeichnete Phänomenologie all der Widersprüche" im menschlichen Verhältnis zum Tier gefunden, die "im Kopf des Normalmenschen gemeinhin nicht aufeinander treffen". Auch glaubt der Rezensent, dass sich kein anderes Buch diesen widersprüchlichen Verhältnissen bislang "auf vergleichbar ungewöhnlichen Pfaden" genähert haben dürfte. So liegt Kathans Stärke für den Rezensent in den "oft spitzfindigen" psychologischen Beobachtungen und "minutiösen Gedankenexperimente" etwa zur Frage, wie groß ein Tier sein muss, damit "uns sein Todeskampf noch bewegt".
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