Im Buch werden Aspekte des Verhältnisses von Rassismus und Feminismus bezogen auf die Situation von MigrantInnen in Deutschland betrachtet. Mit dem Ziel, Herrschaftsstrukturen komplex und solidarisch zu denken, wird gefragt: Wie wirken Geschlecht und Ethnie zusammen? Was bedeutet dieses Zusammenspiel für politische Praxen und für die Frauen- und Geschlechterforschung? Welche Ansätze lassen sich erkennen, die über ein bloßes "Mit-Bedenken" hinausgehen? Welche gegenseitigen Lernprozesse sind notwendig? Geschlecht und Staatsbürgerschaft markieren Linien des Ein- und Ausschlusses auch in der deutschen Gesellschaft. Im Sammelband werden Aspekte des Zusammenwirkens von rassistischen und sexistischen Diskriminierungen diskutiert und nach Perspektiven nicht-diskriminierender Solidarität in Wissenschaft und politischer Praxis gefragt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.11.2004
Gottfried Oy konstatiert, dass zwar bereits viel über Rassismus in Deutschland geschrieben wurde, allerdings "geschlechtsspezifische Aspekte" zumeist nicht im Mittelpunkt des Interesses standen. Aus diesem Grund begrüßt er auch den von Bettina Roß herausgegebenen Sammelband, der sich einer "dezidiert feministischen Perspektive" verschrieben hat. Problematisch allerdings erscheint ihm die analytische Verwendung von "Kategorien wie 'Sexismus, Klassismus und Rassismus", da diese Begriffe bisher vornehmlich "moralisierend oder agitatorisch" eingesetzt und verstanden wurden, wie Oy zu bedenken gibt. Während der den Aufsatz von Veronika Kabis, die sich mit rot-grüner Familienpolitik kritisch auseinandersetzt und den Beitrag von Stephanie Schmoliner zu geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten in der Ausländerkriminalität offenbar durchaus interessant fand, überzeugt ihn der Beitrag von Nils Pagels über "Diversity Management" weniger. Viel "anspruchsvoller" findet Oy dagegen die Ausführungen von Maria dol Mar Castro Varela und Nikita Dhawan, die das "Konzept der 'Vulnerabilität'" in die Debatte um den "Kampf um gesellschaftliche Räume" einbringen. Insgesamt bedauert Oy, dass das Buch hinter dem eigenen Anspruch, "Politik und Wissenschaft" zu verbinden, zurückbleibt und vornehmlich im Wissenschaftsbereich argumentiert.
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