Claudia Koppert, Beate Selders

Hand aufs dekonstruierte Herz

Verständigungsversuche in Zeiten der politisch-theoretischen Selbstabschaffung von Frauen
Cover: Hand aufs dekonstruierte Herz
Ulrike Helmer Verlag, Königstein 2003
ISBN 9783897411203
Gebunden, 159 Seiten, 12,95 EUR

Klappentext

Heute steht am postfeministischen Firmament milchigtrüb die Frage: "Was, bitte, ist eine Frau?" Was also hat die Dekonstruktion der Geschlechtsidentitäten, der Zweigeschlechtlichkeit gebracht? Was hat die Frauenbewegung im Zeitalter des Postfeminismus erreicht? "Alles", sagen die einen: "Sie ist am Ziel." Es sei bloß noch eine Frage der Zeit, dass das weibliche Geschlecht keinerlei Benachteiligung mehr erfährt. Das Patriarchat ist zu Ende. - "Alles nur dasselbe in Grün!", entgegnen die anderen, "wir müssen radikaler werden: Kampf der Zweigeschlechtlichkeit!" Die Perspektive bestimmt, wie die Veränderungen bewertet werden, die Bewertungen scheinen kaum mehr gegenseitig vermittelbar zu sein, aus so unterschiedlichen Perspektiven, mit so unterschiedlichen Schlüssen werden sie vorgenommen. Die Lebensgefühle, die neuen Gender-Existenzen sind so verschieden wie die Meinungen: komplexe Verhältnisse, wider-spruchsvolle Lagen, tragische Heldinnen allerorten. Höchste Zeit, neu nachzudenken, befanden die Autorinnen. Die Methode "Hand aufs Herz", die dabei zur Anwendung kam, meint die beständige Aufforderung an sich selbst, neue wie alte politische Korrektheiten und herrschende Meinungen beiseite zu schieben und unverzagt zu sagen, wie sich die Lage in der eigenen Sicht darstellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.11.2003

Raphaela Kula findet diesen Sammelband mit Beiträgen zur aktuellen feministischen Theorie sehr "ungewöhnlich", weil er die persönlichen politischen Erfahrungen der Autorinnen genauso wie die historische Entwicklung dieser Erfahrungen in den Blick nimmt. Die Rezensentin zeigt sich von der "Offenheit" der Autorinnen beeindruckt, auch wenn dadurch die Positionen , wie sie zu Bedenken gibt, zwar "nachvollziehbar", aber auch "angreifbar" werden. Allerdings liefert Kula kein Beispiel für derartige Angriffsflächen, sondern zeichnet in ihrer Rezension lediglich die verschiedenen Argumentationsschwerpunkte der einzelnen Autorinnen nach. Sie versteht den Band als "Angebot zur Debatte" und findet ihn insgesamt sehr "anregend", nicht zuletzt, weil er, wie sie lobt, "Lust auf eine weitergehende Auseinandersetzung" mit aktueller feministischer Theorie weckt.

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