Aus dem Englischen von Hans Freundl und Sigrid Schmid. Was muss passieren, damit ein von Putin geschätzter Kapitalist sein Leben ändert und zum Menschenrechtsaktivisten wird? Mord. Bill Browder gibt Ihnen einen persönlichen Einblick in Russlands zutiefst korrupte Kleptokratie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2015
Andreas Wang weiß nicht so genau, auf wessen Seite er stehen soll beim Lesen von Bill Browders hollywoodesker Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Mittelklasse-Intellektuellen aus den USA, der es erst zum milliardenschweren Investor in Russland bringt und dann quasi zum Staatsfeind und persönlichen Opfer von Putin wird. Der gefühlsduseligen Beschreibung dieses Ritts kann Wang wenig abgewinnen, da der Autor Bill Browder mit Eigenlob, Wehleidigkeit und Intimitäten nicht spart, wie er schreibt. Auch kennt er das meiste schon aus der Presse. Browders Kampf gegen das System Putin (David gegen Goliath) und für Gerechtigkeit (für sich selbst) scheint Wang am Ende allerdings doch berührt zu haben. Seine Sympathie für den Helden der Geschichte kann er jedenfalls nicht verhehlen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2015
Mit Faszination, aber nicht ohne Kritik liest Kerstin Holm diese Memoiren eines westlichen Finanzhais und Abenteurers, der sich im Moskau der wilden Neunziger tummelte und sich trotz mangelnder Russischkenntnisse bewegte wie ein Fisch im Wasser. Das Buch scheint sich großartig zu lesen, sei hervorragend lektoriert und bietet somit für Holm ein ziemlich klares Panorama des damals herrschenden Kuddelmuddels, in dem sich die kühnsten Haie die größten Werte unter den Nagel rissen. Browder half ihnen offenbar dabei, verwaltete ihr Geld, hatte aber durchaus Rechtsgefühl. Mit Rührung liest die Rezensentin überdies, wie sich einer seiner Juristen, Sergej Magnizki, für ihn einsetzte und zu Tode gefoltert wurde und wie sich Browder, der dem Andenken Magnizkis sein Buch widmete, anschließend für Aufklärung in diesem Fall einsetzte. Aber es hilft nichts: Auch Browder ist schließlich für sie einer dieser Finanzhaie, die die Welt überhaupt in ihre heutige missliche Lage brachten.
Uwe Schmitt liest die Geschichte des Geschäftsmannes und späteren Kreuzzüglers gegen Putins Oligarchenregime Bill Browder mit gemischten Gefühlen. Browders Aufzeichnungen aus dem Innern russischer Macht und Geschäftemachens, von denen Schmitt nie weiß, ob sie der Erinnerung des Autors oder der Feder eines Ghostwriters entstammen, scheinen ihm wie ein James-Bond-Script, zumal der Autor Gespür für Dialoge, Detailbeschreibungen und Spannung beweist, wie der Rezensent versichert. Eine gehörige Portion Pathos und Klischees und der Umstand, dass Browder schlicht unantastbar rüberkommt, das Buch von Fremd- oder Selbstkritik frei ist, lassen Schmitt allerdings letztlich unbefriedigt zurück.
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