Bill Emmott

Vision 20/21

Die Weltordnung des 21. Jahrhunderts
Cover: Vision 20/21
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783100170125
Gebunden, 368 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hans Günter Holl. Gemäß dem Winston Churchill Zitat "Je weiter man in die Vergangenheit blickt, desto besser kennt man die Zukunft." analysiert Bill Emmott die Errungenschaften und Niederlagen des 20. Jahrhunderts (Politik, Weltmächte, Bevölkerungsexplosion, Kriege, Wissenschaft und Technik), um aus den so gewonnen Erfahrungen unsere Gegenwart verstehen zu können und zukünftige Entwicklungen besser abschätzen zu können. Dabei setzt sich Emmott auch mit der Führungsrolle der USA und der Zukunft Asiens und Europas auseinander. Er zeigt längerfristige Entwicklungslinien auf, die sich vom 20. bis ins 21. Jahrhundert erstrecken, und beschäftigt sich mit den drängendsten weltpolitischen Fragen unserer Zeit.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.08.2003

Recht hart geht Rezensent Frank Lübberding mit diesem Buch Bill Emmotts ins Gericht. Begrüßenswert findet er zwar, dass der Chef des Magazins "The Economist" den Machtmissbrauch Silvio Berlusconi brandmarkt. Emmotts Ansinnen, die kapitalistische Wirtschaftsordnung zu verteidigen, steht Lübberding allerdings misstrauisch gegenüber. Wie er ausführt, sieht der Autor in der zukünftigen Weltordnung zwei zentrale Probleme, die Bedrohung des Friedens und die Zukunft des Kapitalismus. Dass er sich von den USA wünscht, für Frieden zu sorgen, findet der Rezensenten nicht weiter überraschend. Die Zukunft des Kapitalismus betreffend setzte auf die Akzeptanz des Leistungsprinzips. Wer wirtschaftliche Ungleichheit akzeptiere, werde mit hohen Wachstumsraten belohnt, fasst er Emmotts liberales Modell zusammen. Über dessen Ausführungen hinsichtlich der Gefährdungen des so segensreichen Kapitalismus durch moralischen Impulse, kann Lübberding nur lachen: "Eine These, die als das Woody-Allen-Syndrom liberaler Gesellschaftstheoretiker in die Geschichte eingehen wird."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.04.2003

Hans-Jürgen Heinrichs hat sich ziemlich geärgert über Bill Emmotts Buch "Vision 20/21", in dem der Chefredakteur der britischen Wirtschaftszeitschrift Economist seine Vorstellung von der "Weltordnung des 21. Jahrhunderts" skizziert. Reichlich abstrus findet Heinrich die Überzeugung Emmotts, trotz der terroristischen Umtriebe und internationalen Spannungen befinde sich die Welt weitgehend in Frieden, zumal Amerika bereit sei, "durch seine Führung die größten Bedrohungen der Sicherheit abzuwenden, auch wenn es niemals allmächtig oder allwissend sein kann" (Emmott). Das Bild von Amerika, das sich hinter solchen Aussagen verbirgt, analysiert Heinrich, "könnte einseitiger und verfälschender nicht sein, so, als sei dieses Land doch immerhin tendenziell allwissend, also göttlich, und tue alles, um selbstlos der Menschheit Frieden auf Erden zu bescheren." Als Grundlage für Emmotts Einschätzung enthüllt Heinrich einen "kruden wirtschaftswissenschaftlicher Pragmatismus", "unbeleckt von jedem dialektischen Denken". Globalisierung heiße für den Autor einfach nur Fortschritt, für den man "dauerhaft werben" müsse. Der Rezensent wirft Emmott vor, keinen Blick für die komplizierten Prozesse von Fortschritt und Niedergang, von Globalisierung, Terror, Krieg und Armut zu haben, ganz zu schweigen vom Anteil, den die USA dabei haben. Dennoch empfiehlt Heinrich das Buch zur Lektüre, denn an der von Auslassungen, Verzerrungen und Fehleinschätzungen geprägten Folie schärfe sich der Blick für die komplexe Wirklichkeit und die Schwierigkeit, sie deutend in den Griff zu bekommen. In einer Hinsicht ist Emmott in den Augen Heinrichs jedenfalls bestens qualifiziert. "Einen besseren Pressesprecher oder Propagandaminister", versichert Heinrich, "könnte sich die Bush-Regierung gar nicht wünschen."

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