Aus dem Französischen von Hanna van Laak. Warum sterben Menschen an Hunger, während andere Nahrungsmittel vernichten? Kinderfragen, die den Finger in eine schwärende Wunde legen, nimmt Jean Ziegler zum Anlass für sein neues Buch. Die Erde könnte 12 Milliarden Menschen ernähren. Wir sind aber nur 6 Milliarden, von denen viele niemals satt werden. Warum? Kinder fragen, wo Erwachsene sich mit dem scheinbar Unvermeidlichen abgefunden haben. Aber kann man angesichts der Massengräber des Hungers zur Tagesordnung übergehen? Angestoßen von den Fragen seines Sohnes hat Jean Ziegler das Wissen um den Welthunger zusammengetragen. Anhand seiner alarmierenden Erkenntnisse wird überdeutlich: Hunger ist nicht Schicksal, sondern gemacht. Ziegler fordert radikales Umdenken und kritisiert den immer hemmungsloseren globalen Kapitalismus und die immer mörderischere Diktatur des Finanz-Kapitals. Es kann keine Enklaven des Glücks in einer Welt voller Schmerzen geben. Wie können wir unseren Kindern in die Augen sehen, wenn wir ein Fünftel der Menschheit widerstandslos dem Untergang preisgeben?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.12.2000
Die Rezensentin hat einen Autor entdeckt, der weiß, wovon er spricht. Jean Ziegler sei "Fachmann in Sachen Hunger" und als solcher streitbar und umstritten, erklärt Elisabeth Bauschmid. Seinem Buch mit der provokanten Kernaussage, dass es objektiven Mangel an Gütern nicht gebe, prophezeit sie Wirkungsmacht auch bei "jungen Menschen" und begründet das mit der von Ziegler gewählten Form des sokratischen (Vater-Sohn-)Dialogs ("Papa, Charly hat gesagt..." lässt grüßen). Die nämlich erzwinge die Erklärung auch komplizierter Sachverhalte und ermögliche zugleich eine scharfe Konturierung der angeschnittenen Probleme.
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