Birgit R. Erdle (Hg.), Annegret Pelz (Hg.)

Ilse Aichinger Wörterbuch

Cover: Ilse Aichinger Wörterbuch
Wallstein Verlag, Göttingen 2021
ISBN 9783835350441
Gebunden, 368 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Das Wörterbuch versammelt Wörter, die Ilse Aichingers literarisches Werk prägen, und lädt zu Lektüren und Entdeckungen ein. Die als Tochter einer jüdischen Ärztin und eines katholischen Lehrers in Wien geborene Ilse Aichinger (1921-2016) zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller*innen der Gegenwart. Ihre Gedichte, Hörspiele und Erzählungen führen in eine Sprachlandschaft von großer poetischer Kraft und politischer Klarheit. Seit dem einzigen Roman "Die größere Hoffnung" (1948) widmet sich ihr Schaffen der Genauigkeit des einzelnen Wortes in kleinen literarischen Formen: "Die Worte sind das Einzige, wodurch ich mir eine Realität verschaffe. […] Ich würde sagen, sie sind für mich das Genaueste. Am ehesten komme ich zur Welt durch das Wort, wenn es wirklich ein Wort ist, wenn es kein Gerede ist." Die radikale Abwendung von leeren, konformistischen Wörtern geht einher mit der Suche nach "Schlechten Wörtern", die, so Aichinger, "waren immer mein Ziel, das Zweitbeste, der Rand, die Peripherie, nicht schöne Sätze in schönen Journalen."
Somit ist die Form des Wörterbuchs in Aichingers Werk vielfach vorgezeichnet. Circa 80 Essays begeben sich auf die Spuren von Querverbindungen und in zeithistorischen Kontexten in Wörtern wie Atlantik, Beerensuchen, Der dritte Mann, Dover, Europa von Osten her, genug Angst haben, Großmutter, Hasen, Lumpen, Misstrauen, Rand / Ränder, Schnee, Verschwinden, Untergänge oder zwei / Zwilling.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2021

Rezensent Christian Metz macht sich Gedanken über Ilse Aichinger als "Präzisionskünstlerin". Angeregt von dem von Birgit Erdle und Annegret Pelz herausgegebenen Aichinger-Wörterbuch zieht er Querverbindungen zwischen den Beiträgen der Forscher und Dichter im Band, etwa zu Aichingers Zeitangaben oder einigen ihrer Denkfiguren. Dass die Texte im Band diese Verbindungen nicht selber herstellen, bedauert er. Über die ausgewählten Lemmata ließe sich streiten, findet er (warum fehlt ausgerechnet ein Eintrag "Spiegel"?). Als Aichinger-"Leseeinladung" zum 100. Geburtstag der Autorin findet er das Buch aber allemal charmant.
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