Berlin in nächster Zukunft. Auf der Bundespressekonferenz bricht Tumult aus, Paragraph 216 ist abgeschafft: Tötung auf Verlangen bleibt fortan ungestraft! Hier treffen auch Paul Kungebein, ambitionierter Jungredakteur, und Hendrik Miller, Oberarzt an der Charite, aufeinander. Gemeinsam gründen sie eine Agentur, die den Dementen aus Berlins Altenghetto einen sanften Tod ermöglicht - durch aktive Sterbehilfe. Erste Patientin ist die fast hundertjährige Elsa Lindström. Bei Weißwein und Lachs rühmen sich Miller und Kungebein ihrer humanitären Taten. Daheim versorgt Kungebein liebevoll seinen umnachteten Vater Victor. Hendrik Miller hingegen denkt bereits weiter: Auch solche Kranke, die einen Sterbewunsch nicht mehr artikulieren können, möchte der Arzt erlösen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.02.2008
Empfehlen kann Rezensentin Insa Wilke diesen Roman nicht, auch wenn sie ihm im Ansatz durchaus Beachtenswertes zuschreibt. Björn Kern entwirft darin die satirische Zukunftsvision eines überalterten Berlins; das Charlottenburger Alten-Ghetto ist bevölkert von Kranken und Dementen. Hier kommt Paul Kungebein, selbst Sohn eines Demenz-Patienten, auf die Idee, anderen eine "Leidminderung" anzubieten - gegen einen gewissen Preis natürlich. Meist gelinge dem Autor der "Spagat", weiß die Rezensentin zu schätzen, die Kranken als Persönlichkeiten darzustellen und zugleich die komische Seite ihres verwirrten Verhaltens zu zeigen. Doch stört sie sich an seiner stilistischen Schwäche und moniert "sprachliche Grobheiten", Manierismen und Ungenauigkeiten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.12.2007
Absolut nichts übrig hat Helmut Böttiger für diesen Roman von Björn Kern, der im Berlin der nahen Zukunft spielt, wo zwei Stadtteile in Altenviertel umgewandelt worden. Hier gründen ein Arzt und ein Journalist eine Firma, die sich dem Töten auf Verlangen verschrieben hat, erklärt der Rezensent. Schon der Plot scheint ihm reichlich effekthaschend, die literarischen Mittel - der Autor nähert sich stilistisch dem Trivialroman und spart nicht an Klischees und Knalleffekten - sind es allemal, findet der Rezensent. Die "Kolportage" als Mittel, ein komplexes, aktuelles Thema plastisch herauszuarbeiten, ist ein durchaus verdienstvolles Verfahren, meint der Rezensent, für den aber der Roman von Kern, dem er zudem allerlei Brüche und Ungereimtheiten vorwirft, lediglich ein Kolportage-Imitat darstellt.
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