Herausgegeben von Jean-Robert Armogathe. Aus dem Französischen von Ulrich Kunzmann. "Die Natur hat Vollkommenheiten, um zu zeigen, dass sie ein Abbild Gottes ist, und sie hat Mängel, um zu zeigen, dass sie nur sein Abbild ist." Die Gedanken Blaise Pascals, des genialen Mathematikers und Physikers, sind eine Entdeckung wert. In brillanter Prosa behandelt er Themen wie Ordnung, Eitelkeit, Elend und Größe, Langeweile und Zerstreuung, Ursachen und Wirkungen, vor allem aber die zentralen Fragen der Moral und der Religion.
Ganz von Nietzsche her nähert sich Franz Schuh dieser Neuausgabe von Texten des Philosophen Blaise Pascal. Diese Art der Annäherung bedeutet vor allem die Betonung des eminent christlichen Charakters des Pascalschen Denkens, denn dieser war, so Nietzsche, "der erste aller Christen". Christentum aber hieß für Pascal: bescheidenes Bewusstsein der Stellung des Menschen, Wissen um den Konflikt zwischen zur Formel erstarrter Konvention und wirklicher religiöser Erfahrung. Was zudem bis Nietzsche und weit über ihn hinaus aktuell ist an Pascal, das ist, meint Schuh, das Fragmentarische seines Schreibens, das auf Systematisierung verzichtet, aber nicht auf den Zusammenhalt des Denkens. Zur Neuausgabe selbst sagt der Rezensent nichts, was nicht den bibliografischen Angaben zu entnehmen wäre.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2004
Was man als Deutscher von den Franzosen, Pascal insbesondere, lernen könne, meint der "lx." zeichnende Rezensent, sei, dass es des Systems nicht bedarf, um philosophisch seriös zu sein. So besteht Pascals Klassiker aus etwa tausend Fragmenten wie dem in der kurzen Rezensionsnotiz zitierten, dass das Elend der Menschen auf ihre Unfähigkeit zurückzuführen ist, sich allein in einem Raum aufzuhalten. Der Reclam-Band folgt der französischen Ausgabe von Louis Lafuma, das von Jean Robert Armogathe verfasste Vorwort lobt der Rezensent als "kundig".
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