Aus dem Russischen von Renate und Thomas Reschke. Als "James Bond des 19. Jahrhunderts" hat Detektiv Fandorin Kultstatus erlangt. Sein neuester Fall führt ihn auf das Luxusschiff "Leviathan", das 1878 auf Jungfernfahrt nach Kalkutta ist. Dort begegnet er dem französischen Kommissar Coche, der ein Jahrhundertverbrechen aufklären will: In Paris wurden Lord Littleby, ein Sammler orientalischer Kostbarkeiten, sieben seiner Bediensteten und zwei Kinder ermordet. Coche hat alle Tatverdächtigen an seinen Tisch geladen - auch den geheimnisvollen Russen Fandorin. Mit ungewöhnlichen Methoden schaltet dieser sich in die Ermittlungen ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.11.2002
B. Akunin nennt sich der Autor, der im wirklichen Leben Grigori Tschchartischwili heißt und Literaturwissenschaftler ist. Aber was ist schon das wirkliche Leben, wenn es um eine Serie von Kriminalromanen rund um den Ermittler Erast Fadorin geht, deren Umfeld längst über die zwischen Buchdeckel gesperrte Geschichten hinaus ins Internet gewuchert ist, wo unter Mitwirkung des Autors die Fadorin-Welt ins Enzyklopädische ausufert. Die Romane spielen gegen Ende des 19. Jahrhunderts und sind auf den ersten Blick nach dem englischen Strickmuster gearbeitet, nach dessen Vorgaben der Ermittler Fadorin den Kreis der Verdächtigen so lange analysiert, bis er den Täter gefunden hat. Akunin aber inszeniert das, so der Rezensent Dirk Uffelmann, als "viel-stimmiges Verwirrspiel", das mit vorgelegten Pseudo-Dokumenten und diversen Ich-Erzählern jene Spiele mit der Autorschaft beginne, die sich im Internet dann konsequent fortsetzen.
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