Masha Gessen

Autokratie überwinden

Cover: Autokratie überwinden
Aufbau Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783351038540
Gebunden, 299 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Henning Dedekind, Karlheinz Dürr. Nicht nur Russland, Ungarn oder die Türkei sind autokratische Staaten. In den USA werden täglich demokratische Prozesse missachtet, korrodieren Rechtsystem und kulturelle Normen, verfallen Bürger dem Versprechen radikaler Einfachheit, der Aufteilung der Welt in "Us" und "Them". Vor dem Hintergrund einer im postsowjetischen Russland verbrachten Jugend beschreibt Masha Gessen das Versagen von Institutionen, Medien und Opposition und das Ende der Würde in der US-amerikanischen Politik. Das Buch analysiert, wie Autokratien entstehen, eine will eine Anleitung zum Widerstand sein - und ein Handbuch für den Wiederaufbau der Zivilgesellschaft in einem Land, das auch nach einer Abwahl Trumps nicht zur Tagesordnung übergehen kann.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.07.2020

Was verbindet und unterscheidet Donald Trump von Wladimir Putin? Dieser Frage stellt sich Masha Gessen in "Autokratie überwinden" und nimmt sie als Ausgangspunkt für eine dichte und stichhaltige Analyse der politischen Situation in den USA, so Rezensentin Sabine Adler. Gemeinsam sind den beiden Staatsoberhäuptern laut Gessen vor allem der Wille zur Autokratie und die schamlosem Lügen, so die kritikerin. Die russisch-amerikanische Journalistin untersucht in ihrem Buch, wie genau Trumps lügen funktionieren, warum er damit immer wieder durchkommt, auf welche Weise sich dessen Sexismus und Rassismus in den Diskursen verfestigen, und wie es überhaupt dazu kam, dass ein Mensch wie Trump an die Spitze der USA gelangen konnte. Allerdings lässt sie es dabei nicht bewenden, lobt Adler. Indem sie diejenigen beim Namen nennt, die maßgeblich zu Trumps Aufstieg beigetragen haben, geht sie mindestens einen Schritt weiter als die meisten anderen Autoren im neuen Genre der "Trump-Bücher". Zudem liefert sie, wie im Titel angekündigt, Ansätze für Überwindungsstrategien, lesen wir. So lautet einer ihrer Appelle, den sie vor allem an die Presse richtet, mit der sie hart ins Gericht geht: Begriffe wie "Wahl" oder "Referendum" sollten nur verwendet werden, wenn ihre Bedeutung tatsächlich auf die Realität zutrifft. Der Appell der Rezensentin wiederum lautet: Unbedingt lesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.06.2020

Mit ein paar kleinen Einschränkungen ist Matthias Kolb des Lobes voll für diese Autorin und ihr Buch, das aus einigen breiter ausgeführten Thesen besteht, die sie bereits am Beginn der Trump'schen Amtszeit aufgestellt hat. Alles war erwartbar, lernt man von ihr, und die Blaupause stammt aus dem System des "postkommunistischen Mafiastaats", wie es der ungarische Soziologe Bálint Magyar für sein Land beschrieben hat. Gessen zeigt auf, dass die Erosion von Demokratie und Anstand vor Trump in Amerika stattgefunden hat, und dass man auch nach ihm nicht ohne Arbeit zurückkehren kann zu einem besseren Zustand. Dem Kritiker gefällt, dass die Autorin mit einer Analyse der Sprache der neuen amerikanischen Autokratie beginnt und auch die Medien in die Pflicht nimmt. Weniger angetan ist er von dem Stilwechsel der Autorin zwischen Analytikerin und Aktivistin. Überhaupt spräche auch sie oft von einem WIR, das natürlich das urbane, liberale Amerika sei. So sei ihr Buch durchaus kein Versuch "Trump-Wähler zu verstehen". Gessens Pessimismus in Bezug auf Trumps baldige Abwahl scheint Matthias Kolb durchaus zu teilen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.06.2020

Marko Martin sieht in Masha Gessens "profunder" Auseinandersetzung mit den Infamien und Lügen der Trump-Administration das Buch der Stunde. Klar strukturiert und bestückt mit Fußnoten, so Martin, vergleicht die Russland-Kennerin Gessen die Systeme Trump und Putin, ihre Anti-Intellektualität und Herrschaftssicherungsmaßnahmen. Nicht von der Hand zu weisen findet Martin Gessens Warnung vor dem Vorwand, um Gesetze und das alte System auszuhebeln, sinnvoll ihr Setzen auf eine Stärkung der Institutionen. Weniger überzeugend scheint ihm Gessens Präferenz für linke Demokraten. Gegen Trump braucht es breite Mehrheiten, glaubt der Rezensent.